Wirtschaft in Entwicklung (-sländern)
Eines er spannendsten Themen während meiner Zeit als MBA-Student in Indien waren Überlegungen zum erfolgreichen Unternehmertum in Märkten mit geringster Kaufkraft. Ein interessantes Beispiel aus Afrika im Mobilfunkbereich ist mir gerade wieder über den Weg gelaufen:
Ausgerechnet die Mobilfunkindustrie, in Europa für happige Tarife berüchtigt, hat sich in Afrika zum Vorreiter einer fortschrittlichen Ökonomie entwickelt.
Entwicklunghelfer Mobilfunk: Ein neues Handy für 15 Euro – Netzwelt – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten
Wer sich für das Thema interessiert, der Klassiker der Fachliteratur in dem Bereich ist ein Buch des in den USA lebenden Inders Prahalad. Er spricht davon Armut mit Profiten zu bekämpfen und hat den Begriff der “bottom of the pyramid” geprägt. Im Deutschen ist sein Buch sehr vorsichtig als “Der Reichtum der Dritten Welt” übersetzt. Prahalad ermutigt zu neuen Wegen in der Distribution, beispielsweise durch Individualunternehmer, die sich dadurch gleichzeitig eine eigene Existenz aufbauen können. Ausserdem sind innovativen Wegen der Kostenreduzierung ein Thema, um Güter in großen Mengen für Kunden mit kleiner individueller Kaufkraft bezahlbar zu machen. Und quanitativ geben sie dem Begriff Massenmarkt eine neue Dimension. Wer beispielsweise dachte Handys in Deutschland wären mit 30 Millionen ein Massenmarkt, allein in Indien sind – bei einer Bevölkerung von über einer Milliarde Menschen – Märkte von mehreren hundert Millionen vorstellbar!
Auch die Idee der Mikrokredite für die Muhammad Yunus den Friedensnobelpreis bekam ist für die Entwicklung von Kleinunternehmertum in solchen Regionen extrem wichtig und daher essentiell für den Erfolg von Strategien die auf den unteren Teil der Pyramiden gerichtet sind. Eine dieser Erfolgsgeschichten – Safaricom in Kenia – stellen Koesch/Magdanz/Stadler vom Spiegel vor.
Es ist ein weiteres Indiz, dass hier riesige Chancen liegen, für Unternehmer und Firmen genauso wie für Entwicklungshelfer und Sozialunternehmer.

Am 13. September 2007 um 07:11 Uhr
…ich bin bei solchen Themen ja inzwischen skeptisch. Natürlich hören sich solche Sachen erst immer gut an, dass die Menschen in Afrika jetzt auch Handys haben ohne eine Industrialisierung durchlaufen zu müssen usw. Oder eben die Sache mit den Mikrokrediten. Ich glaube aber einfach nicht, dass wie Du es schreibst, Profite Ungerechtigkeit in der Welt besiegen können.
In Wirklichkeit geht es darum, dass Zielgruppen die bisher uninteressant waren, weil sie nicht genug Geld ausgeben können, nachdem im Westen der letzte Klingelton verkauft wurde, die letzte Kuh mit Hormonen und Tiermehl gefüttert wurde um aus ihr noch Profite rauszubekommen, die Menschen in der sog. 3. Welt auf einmal doch interessant werden. Und wenn sie es sich nicht sofort leisten können, gibt es eben Kredite, damit sie weiterhin überteuertes Saatgut oder das blaue Gold von Veolia und Co. kaufen können.
Darum passen Banken, Mobilfunkanbieter, Computerhersteller ihre Produkte auf diese Märkte an. Vielleicht hilft das einigen Menschen, aber die Lüge, das jeder vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann wird nicht dadurch wahrer, dass man sie immer wieder neu auflegt. Viele Fragen werden nicht gestellt, z.B. die nach überteuertem Saatgut, Genpatenten, Folgen des Klimawandels in diesen Regionen. Auch wenn ich dem guten Herrn Yunus dabei nur die besten Absichten unterstellen möchte glaube ich, das Mikrokredite nicht zu letzt auch ein Bombengeschäft sind.
Wettbewerb hält die Welt in Gang,
er macht sie aber auch kaputt.
Am 28. Juli 2008 um 12:56 Uhr
[...] Firma VNL hat laut Spiegel online einen extrem cleveren Mobilfunkmasten vorgestellt, der neue Märkte am “unteren Ende der (ökonomischen) Pyramide” erschließen wird. Der Mast kann rein mit Solarenergie betrieben werden (braucht also kein [...]
Am 15. Oktober 2008 um 18:24 Uhr
[...] der Versuch Projekte in Drittweltländern mit Mikrokredite zu unterstützen, die von Internetnutzern in Europa und den USA finanziert werden. Yunus für [...]