Eva kentert mit Arche-Noah
Dienstag Abend:Fernseh-Talkshows sind in der Regel eher unaufregend, doch heute war es anders: Eva Herman wird von Johannses B. Kerner aus seiner gleichnamigen ZDF-Fernsehsendung gekickt. Die ehemalige Tagesschau-Sprecherin und – nun vom Sender gefeuerte – NDR-Talkerin hatte sich sehr weit aus dem Fenster gelehnt und bestätigte in Kerners Sendung ihre äußerst fragwürdige Aussage: “Familiäre Grundwerte seien in der Nazizeit instrumentalisiert und für verwerfliche politische und gesellschaftliche Zwecke missbraucht worden.” Herr Kerner entschied sich daraufhin für das Verbleiben der weiteren Studiogäste, darunter war u. a. die Schaupsielerin Senta Berger. Frau Herman musste gehen. Ab dem Punkt verfolgte ich die Sendung nur noch aus den Augenwinkel und mit halben Ohr, denn die kontroverse Diskussion war an dieser Stelle beendet. Eine gute und sehr ausführliche Einschätzung zur Sendung und ihrem weiteren Verlauf ist auf Stefan Niggemeiers blog wunderbar nachzulesen.
Entscheidend in der Familien/Frauen/Mutter-Diskussion ist sicherlich auch der Einbezug der Väter. Auch die geplante Einrichtung von vielen weiteren Kinderkrippen in Deutschland ist ein Schritt in die richtige Richtung, Kinderbetreung für Berufstätige – seien es Väter oder Mütter – zu sichern. Das ist gerecht (sofern es funktioniert). Ich würde mich davon distanzieren, Frauen müssten arbeiten, damit sie dazuverdienen können. Ich sage: Frauen arbeiten auch, weil sie arbeiten wollen und sicherlich auch müssen. Die Zeit des “ich koche und bleibe zuhause” ist für die meisten Frauen vorbei. Zumindest für die meiner Generation.
mehr zum Thema: zdf/Kerner bricht Gespräch mit Eva Herman ab

Am 10. Oktober 2007 um 09:17 Uhr
Frauen sollen arbeiten können, aber nicht müssen. Ich schätze mal 90% der Frauen müssen arbeiten, ob sie wollen oder nicht. Man muss schon sehr gut verdienen, damit ein einzelnes Einkommen für eine Familie reicht.
Die Lösung, einfach mehr Kinderkrippen bereit zu stellen, soll nur vor dem eigentlichen Problem ablenken.
Auch in der Praxis funktioniert es überhaupt nicht. Geh’ doch mal in einen Kindergarten und schau Dir an, wie viel kranke Kinder dort abgegeben werden, einfach weil die Mütter arbeiten müssen. Und schau Dir diese Mütter an, wie sie über ihre Kräfte schuften um das einigermaßen geregelt zu bekommen. Das arbeiten “wollen” wird da sehr schnell zum “müssen”.
Nein, Lösung habe ich auch keine. Ich weiß nur, dass mehr Kindergrippen- und Kindergartenplätze nichts helfen. Evtl. wäre das bedingungslose Grundeinkommen ein Ansatz.
Am 10. Oktober 2007 um 10:25 Uhr
Sicher, Kinderkrippen alleine sind keine Lösung. Aber eine Diskussion, wie Frau Herman sie führt, eben auch nicht. Familen/Partner-Konstellationen sind eben nicht mehr die wie vor 20 Jahren und auch das Arbeitsleben und Arbeitsformen haben sich geändert. Die klassische Rollenverteilung “Vater arbeitet”, “Mutter kocht” entspricht auch nicht mehr der Realität, bzw. ist so gar nicht mehr möglich. Hier ist es wichtig, Kinderbetreung bzw. die Möglichkeit, Kinder versorgen zu können, daran anzupassen. Da ist zum einen die staatliche Rahmenbedingung als auch eine Absprache zwischen den erziehungberechtigten Eltern gleichermaßen gefragt.
Am 11. Oktober 2007 um 14:17 Uhr
…noch was zum Thema Gerechtigkeit an dieser Stelle.
Irgendwie hat mensch doch Mitleid mit Eva Herrmann, auch wenn sie nicht wirklich klug geredet hat – weder vor noch währden der Sendung. Aber wurde sie gerecht behandelt? Oder ist es auch für den Zuschauer erstmal wichtig, auf der richtigen Seite zu stehen. Die Reaktionen des Publikums, welches das Eva-Bashing eifrig beklatscht hat, wirkte dabei nicht sonderlich aufgeklärt.
Treffende Worte für das Geschehen fand meiner Meinung nach Henryk M. Broder:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,510511,00.html