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Preisvergleich Bio-Lieferdienste am Beispiel Berlin

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 16. Januar 2008 in meinem Blog über Produktmanagement. Bei “Alles, was gerecht ist” ist das Thema Bio-Ernährung besser aufgehoben. So habe ich ihn wegen der großen Nachfrage hierher verschoben, genau wie den ersten Artikel über Bio-Lieferdienste.

Sind Bio-Lieferdienste wirklich wettbewerbsfähig? Ein Preisvergleich mit einer nicht-repräsentativen Stichprobe.

gemüse lieferdienst
Gemüsekiste (Foto von tifotter, CC BY-NC-ND)

Ich suche gerade einen guten Lieferdienst für Bio-Gemüse, Bio-Obst und andere Bio-Produkte in Berlin. In meiner früheren Recherche zu Bio-Lieferservices habe ich vier Anbieter in die engere Wahl genommen: Lindenhof, Märkische Kiste, Ökodorf Brodowin und den bundesweiten Anbieter Natur und Gut.

Welcher von ihnen ist der billigste? Und wie schneiden die Bio-Anbieter im Vergleich zum konventionellen Handel ab?

Um das herauszufinden, habe ich einige Produkte ausgewählt (die, von denen ich noch Kassenbons der Läden Kaisers und Plus in meinem Geldbeutel gefunden habe und die bei mindestens zwei Bio-Anbietern ebenfalls verfügbar waren). Versandkosten wurden nicht berücksichtigt. Hier das Ergebnis des Preisvergleichs als Tabelle.

Bio-Lieferdienste im Preisvergleich

Preise in Euro, Tabelle in voller Größe ansehen

preisvergleich biopodukte

Der eindeutige Preis-Gewinner heißt: Lindenhof. Verlierer dieses Preisvergleichs: Natur und Gut.

Nun zur Frage, wie die Bio-Lieferdienste im Vergleich zum konventionellen Handel abschneiden. Als Faustregel kaufe ich im Laden immer dann Bio-Produkte, wenn sie weniger als das Doppelte des konventionellen Produkts kosten (insbesondere bei verarbeiteten Waren).

Ich habe nur die jeweils verfügbaren Waren eines Bio-Lieferdienstes mit denen der konventionellen Anbieter verglichen. Den normalen Handel habe ich auf 100 Prozent gesetzt um so die Anbieter vergleichen zu können, obwohl ich im Einzelnen verschiedenen Produkte verglichen habe. Hier das Ergebnis:

bio preise im vergleich zum konventionellen Handel

Die 200%-Schwelle übertraf keiner der Anbieter, vermutlich auch weil viele Frischwaren in meinem Einkaufskorb lagen. Im Vergleich zum Laden um die Ecke kosten die Produkte von Lindenhof etwa 40 Prozent mehr, sind dafür aber aus der Region und in Bio-Qualität. Die Märkische Kiste liegt um 88 Prozent, Brodowin 80 Prozent und Natur und Gut 92 Prozent über dem normalen Einzelhandel.

Natur und Gut, der einzige Bio-Lieferdienst der bundesweit über DHL versendet (also nicht aus der Region), war damit der teuerste Anbieter. Dabei waren die Versandkosten noch nicht einmal hinzugerechnet.

Fazit: Meine erste Bestellung geht an Lindenhof. Bitte diese kleine Preis-Studie mit Vorsicht genießen, ich habe nur kurz die Daten zusammengesucht und verglichen. Verzerrungen sind möglich. Verbesserungen und Anmerkungen gerne in den Kommentaren!

Tags: Berlin, bio, Ernährung, essen, Lebensmittel, Lieferservice, Preisvergleich

Mittwoch,16. Januar 2008 | von Holger Dieterich | Beitrag kommentieren | Kommentare als RSS 2.0 Feed abonieren | Kategorien Gesundheit und Ernährung, Shopping/Konsum | direkten Link anzeigen

9 Kommentare zu “Preisvergleich Bio-Lieferdienste am Beispiel Berlin”

  1. Gabriel
    Am 16. Februar 2009 um 12:38 Uhr

    Einerseits natürlich erfreulich, dass Du dir einen Lieferdienst suchst um an lecker Bio-Essen zu kommen. Aber doch sehr enttäuschend, dass dein einziges Auswahlkriterium scheinbar der Preis ist, noch dazu verglichen mit dem konventionellen Handel, wobei mit PLUS gar in Discounter im Rennen ist. Meines Erachtens der völlig falsche Ansatz und wenn auch im Bio-Bereich belohnt wird wer billigst ist, werden sich in diesem Segment die Fehlentwicklungen der konventionellen Nahrungsmittelindustrie wiederholen. Mit Gerechtigkeit (und darum gehts dir doch wohl) hat das absolut nichts am Hut, da sollte dein Augenmerk auf den Strukturen liegen, die Du mit deiner Kaufentscheidung unterstützt. Tut mir leid, das mußte mal raus.

  2. Gabriel
    Am 16. Februar 2009 um 12:40 Uhr

    Ach, und nochwas: Cherry-Tomaten im Februar?! Da bin ich doch froh, dass zumindest zwei Dienste das gar nicht erst im Angebot haben…

  3. Holger Dieterich
    Am 16. Februar 2009 um 23:38 Uhr

    Hallo Gabriel, danke für Deinen Kommentar.

    Mein erstes Auswahlkriterium ist das Bio-Siegel, dann erst der Preis. Beim Vergleich mit dem Discount schreib ich ja, dass ich bereit bin, dafür 100% mehr zu bezahlen.

    Wieso sollte Preis im Bio-Markt kein Kriterium sein dürfen? Gelten dort keine Marktregeln? Welche anderen Kriterien hättest Du Dir gewünscht? Irgendwo muss man doch anfangen. Wenn es auch ein transparentes Fairtrade-Siegel gäbe, würde ich es auch mit einbeziehen und dafür vielleicht noch einmal wesentlich mehr bezahlen.

  4. Gabriel
    Am 17. Februar 2009 um 00:29 Uhr

    Hallo Holger, schön dass Du mir meine unverhohlene Kritik nicht übelnimmst.
    Das EU-Bio-Siegel garantiert schonmal einen Mindeststandard und ist sicherlich gut geeignet als Erstkriterium. Allerdings hätte ich noch ein paar Vorschläge, bevor man zum Preisvergleich kommt. Wo könnte man anfangen? Zum einen wären da die Siegel diverser Anbauverbände, die deutlich höhere Anforderungen an ihre Lieferanten und Verarbeiter stellen und so hoffentlich “bessere” Produkte auszeichnen. Dem EU-Bio-Siegel ist’s außerdem egal woher das Produkt kommt, im Zweifelsfall greifst Du dann zum Gemüse aus Süditalien obwohl der Bauer nebenan das gerade auch erntet, weil die Differenz der Lebenshaltungskosten größer ausfällt als die Höhe der Transportkosten. Wie Du selbst schon schreibst, sagt ein Bio-Siegel auch nichts über die Arbeitsbedingungen aus. Es gibt jedoch eine Reihe von Herstellern die überzeugend darlegen können, dass Sie schon seit vielen Jahren bspw. mit eigenen Anbauprojekten und Kooperationspartnern einen hohen Standard garantieren. Überhaupt sollte man mE durchaus unterscheiden zwischen Bio-Produkten von Unternehmen die überwiegend konventionell tätig sind (bspw. Bio-Ketchup von Kraft oder Ökostrom von Vattenfall) und solchen, die Bio aus Überzeugung machen und nachhaltiges Wirtschaften entsprechend in allen Unternehmensbereichen zu verwirklichen versuchen.
    Wär das was?

  5. Holger Dieterich
    Am 17. Februar 2009 um 08:27 Uhr

    Sicher. Der Vorteil der meisten hier vorgestellten Biolisten ist ja gerade, dass sie aus der Region Berlin kommen. Landkorb (Ex-Lindenhof), wo ich bestelle, legt beispielsweise seiner Kiste einen rührenden Rundbrief bei, in dem sie beschreiben, wie ihre regionalen Produkte gedeihen, was die Schafe machen und wie es dem Bio-Bäckern im Dorf geht, von dem sie das Brot beziehen. Die Regionalität ist für die Bio-Lieferdienste ein wichtiges Argument, das außer dem bundesweiten Anbieter “Natur und Gut” alle für sich in Anspruch nehmen können. Neben den Steckrüben der Saison bieten sie aber auch Großhandelsprodukte an, weil das praktisch für den Kunden ist und man in einem brandenburgischen Dorf nichta uch noch das Haarshampoo machen kann. Die Herkunft von jedem Produkt ist aber im Online-Shop jeweils beschrieben.

  6. Gabriel
    Am 17. Februar 2009 um 13:57 Uhr

    Sehr schön. So in Verbindung mit deinen Kommentaren liest sich der Artikel schon ganz anders.
    “Sind Bio-Lieferdienste wirklich wettbewerbsfähig?” Deine Eingangsfrage verstehe ich dann aber immer noch nicht. Bezogen auf deine (willkürliche) Entscheidung immer dann Bio zu kaufen, wenn das gewünschte Produkt nicht mehr als doppelt so teuer ist? Letztlich geht es mir darum, hier schon einen anderen Standpunkt einzunehmen. Die Frage müßte vielleicht eher lauten, wieviel meines verfügbaren Haushaltnettoeinkommens kann ich für Konsumartikel ausgeben und welche können dass dann sein. Die Konsumgewohnheiten 1:1 “in bio” zu übersetzen kann dann wohl kaum gelingen. Deshalb sollte die Frage mE nicht lauten: wieviel Bio kann ich mir leisten?, sondern was muß ich ändern um mit meinem Budget “trotz” Bio auszukommen?

  7. Berlin: Bio-Lieferservice für Gemüse, Obst und andere Lebensmittel » Von Holger Dieterich » Euro, Berlin, Website, Online-Shop, Lieferkosten, Bananen, Stück, Gemüsekisten » Alles, was gerecht ist.
    Am 16. April 2009 um 22:35 Uhr

    [...] habe noch einen Folgeartikel zu diesem Thema geschrieben: Preisvergleich von Bio Lieferservice-Anbietern. addthis_url = [...]

  8. Martin
    Am 5. Januar 2010 um 07:34 Uhr

    Hey, dankeschön. Das hat mir sicher eine menge Aufwand erspart um alles selbst rauszufinden. Der Ansatz für die Bewertung scheint mir sehr plausibel, und wer etwas besseres zu berichten weiss kann es ja anfügen. Es wäre schön falls man diese Idee weiterentwickeln kann um dem geneigten Kunden mehr Informationen über das zu verschaffen, was er eigentlich kauft. Deshalb würde ich mich freuen eine Seite zu finden, wo kurz und knapp die besonderen Vorteile der einzelnen Angebote dargestellt sind. Das mit den Öko-Siegeln ist schon schön, aber so richtig weiss ich darüber nicht bescheid – und vor allem weiss ich nicht, was der Unterschied zur herkömmlichen Produktion konkret ist.

  9. Andrea
    Am 7. März 2010 um 18:50 Uhr

    7.3.2010
    Auch ich habe im November/Dezember 2009 mal nach Bio-Lieferanten für Berlin gesucht, für mich war das Preis/Leistungsverhältnis und online-Bestellbarkeit entscheidend, also die Frage, bei wem bekomme ich eine gut gefüllte (!) Bio-Kiste mit Obst und Gemüse möglichst preiswert.
    Ich habe verschiedene Anbieter verglichen, auch in Bezug auf die Frage “Hat der Anbieter überhaupt eine preiswerte Abokiste mit Obst UND Gemüse?” (Oder muß man dann 2 Kisten bestellen?)
    Letztendlich bin ich bei “www.Abokiste-Apfeltraum” fündig geworden, ein Anbieter, der in deinem Bericht gar nicht auftaucht (oder unter anderem Namen?) In der “Mutter-und-Kind”Kiste 11 (11-12€+1,95 Liefergebühr) gibt es meist 2 Sorten Obst und 4-5 Sorten Gemüse.
    Und der Link zum Lindenhof oben..gibts nicht mehr, Domain steht zum Verkauf….
    Letzte Woche habe ich auch 2 Sorten Gemüse (1 das ich gar nicht mag und eins, das in letzter Zeit zu häufig drin war, durch einfachen Text im Onlineformular durch etwas anderes ersetzen lassen, hat funktioniert, (eine “mag ich/mag ich nicht-Liste gibts hier leider nicht).

    Viele Grüße…

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