Soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und deren Nachhaltigkeit. Interessante Ideen & Projekte Ein Projekt der SOZIALHELDENAlles, was gerecht ist.
Soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und deren Nachhaltigkeit. Interessante Ideen & Projekte

« Preisvergleich Bio-Lieferdienste am Beispiel Berlin
Muss das wirklich sein? – Umweltfreundliches Drucken »

Nokia ist dann mal weg

Es geht um 88 Mio. Euro. Die hat der finnische Mobilfunkkonzern Nokia zwischen 1995 und 2007 als Subvention für die Handyproduktion in Bochum erhalten.

Willkommen in Cluj Selbstverständlich hat die Politik an die Zahlungen auch Erwartungen geknüpft – eine möglichst langfristige Sicherung von knapp 3000 Arbeitsplätzen in Bochum und Umgebung. Deshalb hat man diese auch vertraglich festgeschrieben, nämlich genau bis zum 15. September 2006. Ein halbes Jahr später gibt Nokia bekannt eine neue Produktionsstätte in Cluj, Rumänien zu bauen. Diese Woche Dienstag nun die Ankündigung der Schließung des Werks in Bochum.

Mit Nokia verabschiedet sich nun der letzte produzierende Mobilfunkhersteller aus Deutschland. Wie bereits BenQ (ehemals Siemens) und Motorola erklärt nun auch die Konzerzspitze Nokias diesen Schritt mit zu hohen Lohnkosten in Deutschland.

Da die Lohnkosten nur knapp 5 % der gesamten Produktionskosten eines Handys ausmachen, entsteht bei vielen Menschen ein ganz anderer Eindruck:

Es geht um 88 Mio. Euro.

Um nichts anderes.

Der Umzug Nokias in das „Niedriglohnland“ Rumänien mag aus betriebswirtschaftlicher Perspektive sinnvoll sein. Wer seinen ehrgeizigen Renditezielen zumindest etwas näher kommen möchte – wird in Rumänien leichtere Bedingungen erwarten können – auch weil in Rumänien weitere EU-Subventionen winken .

Selbstverständlich ist der Umzug Nokias gesellschaftspoltisch unmoralisch und menschlich zutiefst ungerecht.

Aber ehrlich – warum soll sich der Fuchs auch bitte schön selbst in den Schwanz beißen? Nokia ist nicht das erste und wird sicherlich auch nicht das letzte Unternehmen sein, welches Subventionsmillionen teilweise als Geschäftsmodell nutzt.

Unglaublich ist also weniger die Tatsache, dass Nokia sein Werk schließen wird, als unter welchen Umständen das jetzt geschieht. Den Arbeitnehmern wurde die im Dezember bereits entschiedene Schließung des Werks ja bekanntlich erst diese Woche mitgeteilt, bis dahin hat sich die Unternehmensführung um keine Alternativen bemüht – jedoch bis zur Bekanntgabe der Entscheidung die Beschäftigten zu Überstunden und Mehrarbeit genötigt. Ein solches Verhalten darf nicht akzeptiert werden und muss gesellschaftlich und politisch diskutiert werden!

Wieso erhält ein „Global Player“ wie Nokia, der über 3,5 Milliarden Euro Gewinn in einem Jahr (2006) macht, überhaupt stattliche Zuschüsse?

Nokia ist nicht der Wolf im Schafspelz. Die waren und sind schon immer für jeden sichtbar der Wolf gewesen. Es ist anzunehmen, dass sich Nokia auch aus Rumänien wieder verabschieden wird – denn auch dort wird das Lohngefüge sich “westlichen” Standards angleichen und die Subventionen irgendwann aufgebraucht sein. Dann geht die Reise weiter gen Osten.

Sind es doch die politischen Rahmenbedingungen, die nicht nur überdacht werden müssen, sondern grundlegend verändert gehören. Solche Geschäftspraktiken werden so lange ausgenutzt, wie sie von Politikern ermöglicht werden.

Aber vielleicht bringt ja auch die ganze Diskussion um Nokia ja etwas. Denn die Medienkampagne wird weitergehen. Die Schließung des Werks wird erst im Sommer vollzogen – bis dahin wird der Druck auf Nokia aber auch auf die Politik wachsen. Dieser verantwortungslose Umgang mit Steuergeldern muss Konsequenzen haben. Wir haben genügend Beispiele gesehen, Samsung, BenQ, AEG, weitere brauchen wir nicht. Einen sich zum Retter inszenierenden Ministerpräsidenten im Übrigen auch nicht.

Es geht um 88 Mio. Euro. Die hat der finnische Mobilfunkkonzern Nokia zwischen 1995 und 2007 als Subvention für die Handyproduktion in Bochum erhalten. Selbstverständlich hat die Politik an die Zahlungen auch Erwartungen geknüpft – eine möglichst langfristige Sicherung von knapp 3000 Arbeitsplätzen in Bochum und Umgebung. Deshalb hat man diese auch vertraglich festgeschrieben, ...

Freitag,18. Januar 2008 | von Christoph Zinsius | Beitrag kommentieren | Kommentare als RSS 2.0 Feed abonieren | Kategorien Wirtschaft und Finanzen | direkten Link anzeigen

7 Kommentare zu “Nokia ist dann mal weg”

  1. Blog ohne Diät
    Am 18. Januar 2008 um 11:08 Uhr

    Web-Snacks: Gen-Diät-Pille, regionale Ernährung, Tabletten-Lebensstil, Tequila-Diät, Junkfood-Gewalt, abgespeistes Aroma, Orangen-Sex, Geld-Probe, …

    es sich in Zukunft wohl doppelt berlegen, ob er zum Nokia-Handy greift. Warum steht bei der Computer Woche und Alles was gerecht ist .

  2. Michael
    Am 19. Januar 2008 um 17:03 Uhr

    Nachrichten wie diese sind es, die mich am “EU-Prinzip” verzweifeln lassen. Immer häufiger zeigt sich, dass die “Harmonisierung” zwischen den Ländern nur in einer Richtung funktioniert. Lebensstandards werden systematisch kaputtgemacht; jedem Arbeiter wird vorgehalten, dass irgendwo auf der Welt ein armer Teufel für noch weniger Geld arbeitet. Vor dem Hintergrund von EU-Subventionen in Milliardenhöhe (19,2 Mrd. Euro EU-Fördergelder für Rumänien!) und staatlichen Firmensubventionen (88 Mio. Euro aus deutschen Steuergeldern für NOKIA!) ist dies moralisch und volkswirtschaftlich eine Riesensauerei. ICh werde meine Mitgliedskarte vom “Club Nokia” zurücksenden; in so einem “Club” möchte ich wahrlich kein Mitglied (mehr) sein. Ansonsten halte ich mein altes Nokia 6310i ‘Made in Germany’ in Ehren -ein neues Handy von Benq, Siemens oder Nokia kommt im Wortsinn ‘nicht in die Tüte’.

  3. Helmut Hagemann
    Am 23. Januar 2008 um 13:19 Uhr

    Eine verlockende Idee, mal Verbraucherdemokratie zu üben und NO-Kia gehörigen Druck spüren zu lassen. Umfragen zeigen: das Image der Marke leidet bereits. Aber, Hand aufs Herz, bleibt es bei der reinen Symbolik, oder nicht? Wer von den LeserInnen dieser Seite wechselt denn das Handy wie ein Hemd? Und wenn dann das nächste angeschafft werden muss, dann fällt die Entscheidung vielleicht doch auf Nokia, etwa weil es hier ein besonders strahlungsarmes Modell gibt. Wer jedoch gerade ein NO-Kia Handy kauft, sollte Nokia das auch wissen lassen:
    Nokia GmbH
    Heltorfer Straße 1
    40472 Düsseldorf
    Telefon +49 211 9412 0
    Telefax +49 211 9412 1083

  4. Florian
    Am 23. Januar 2008 um 21:29 Uhr

    Das manager-magazin nennt sehr viele Gründe, warum die Rechnung von Nokia auch ökonomisch ziemlich kurz gedacht sein könnte: Rechnet Nokia falsch?

    Wo sollen in der dünn besiedelten Region 4000 gut ausgebildete Arbeiter herkommen? Wo kommen die Vorprodukte her, wenn es in der Region (noch) keine Zulieferer gibt? …

  5. thomas schiffer
    Am 18. Februar 2008 um 15:43 Uhr

    es braucht doch keine nokiaschließung um zu begreifen, das es sich nicht mehr lohnt, in deutschland zu produzieren.
    und das die eu nur für die großen der branche einen nutzen hat.
    nur wir deutschen sind ein land von träumern und narzisten. und wenn man dann den spiegel weg nimmt, ist der aufschrei groß.
    wir finanzieren den aufbau ost und jetzt noch ein stückchen mehr osten
    wie sagte so schön frau merkel, wir müssen soviele arbeitskräfte ins land holen, bis auch der rumäne angeglichene preisvorstellungen hat.
    viel einfacher wäre es, die aufnahme in die eu mit solchen forderungen zu verbinden. wer in die eu möchte, hat sich erst der preispolitik und dem sozialen stand anzupassen.
    vielleicht bauen wir mal autos für die rumänen und sind froh, wenn wir die alten karren wieder zurückkaufen können.
    früher haben die großen werke wie krupp, mannesmann, siemens usw häuser und wohnungen für ihre angestellten gebaut.
    heute rafft der manager sich die kohle in die tasche und hat kein gefühl für anstand und soziales arangement.
    wer hat denn siemens, porsche, merzedes, vw und andere groß gemacht?
    sind es nicht die arbeiter gewesen, die mit ihrem fleiß das alles geschaft haben? und als dankeschön greifen die manger lieber unsummen ab, als dafür arbeitsplätze in deutschland zu schaffen und zu halten und das siegel, made in germany, hoch zu halten.
    ich finde es beschämend und noch arroganter, das die politiker, die sich im tv entsetzt äußern in den aufsichtsräten sitzen und von den managern einladen lassen.
    hier sollte man farbe bekennen und keine dummen äußerungen, wie ab sofort telefoniere ich nicht mehr mit meinem nokia.
    glauben denn die manager und politiker wirklich, das das volk nur aus idioten besteht, den man so ein unsinn erzählen kann?

  6. p.enis Lutscha
    Am 5. März 2010 um 11:05 Uhr

    ehct schlecht

  7. eds blog
    Am 8. Oktober 2011 um 20:08 Uhr

    Rumänien fordert Staatshilfen zurück…

    Nokia macht nun also die neue Fabrik bei Cluj/Rumänien dicht. Die Fertigung ist irgendwie zu teuer geworden. Erstaunlich. War ja so auch gar nicht zu erwarten. Und nun möchte Rumänien, die die Fabrik dort vor 3 Jahren für 20 Million…

Hier kannst du den Beitrag kommentieren

  • Alles über awgi

    • Die Autoren
    • Die Idee
    • Kontakt
    • Mitmachen?
    • Unsere Policy
  • Kategorien

    • alle machen mit (45)
    • Bücher und Magazine (29)
    • Design und Kunst (55)
    • Digital Lifestyle (56)
    • Filme und Musik (32)
    • Gesundheit und Ernährung (22)
    • Hartz IV-Experiment (4)
    • hingehen! (65)
    • How to make the world more beautiful? (7)
    • in eigener Sache (88)
    • Interview (16)
    • Kampagnen (78)
    • lustig (23)
    • Organisationen (114)
    • Pfandtastisch helfen! (19)
    • Politik (27)
    • Reisen (18)
    • Shopping/Konsum (35)
    • Soziales (152)
    • SOZIALHELDEN e.V. (31)
    • Umwelt (147)
    • Uncategorized (6)
    • ungerecht (8)
    • Wettbewerbe (43)
    • wheelmap.org (2)
    • Wirtschaft und Finanzen (71)
  • Archive

  • Helfen Sie den SOZIALHELDEN.

    Jetzt spenden mit betterplace.org!
  • SOZIALHELDEN @ Web 2.0

    Werde Fan auf Facebook:
  • SOZIALHELDEN-Fotos

    www.flickr.com
    Dies ist ein Flickr Modul mit öffentlichen Elementen von www_raul_de mit dem Tag sozialhelden. Ihr eigenes Modul können Sie hier erstellen.
  • Links

    • 3plusX
    • Better Dressed
    • betterplace
    • Bio Berlin
    • ecochoice
    • elektrischau
    • Fairplay Global
    • Für eine bessere Welt
    • Fundraising Wiki
    • Glas + Bild
    • GLOBERLIN
    • Grass Routes – Green Lifestyle
    • Greenpeace Magazin
    • Initiative für Nachhaltige Entwicklung
    • Initiative Sozialmarketing
    • KarmaKonsum
    • Klima der Gerechtigkeit
    • Kohle nur noch zum Grillen
    • nachhaltig beobachtet
    • Notopia
    • OxfamUnverpackt
    • Ratgeber Behinderung
    • Sebastian Backhaus
    • Socialbar
    • synagieren
  • Letzte Kommentare

    • Eigenbau gegen Massenproduktion | Singold Bote bei Marke Eigenbau – das Ende der Massenproduktion
    • Marie-Excel-Hartmann bei Prosit!
    • Paula bei Hartz IV-Experiment Fazit: Überleben? ja. Leben? Nein!
  • Tags

    Barack Obama barrierefrei Behinderung Berlin bio Bruttosozialpreis CleanTech CO2 ebay Effizienz Energie Energieeffizienz Energie sparen Ernährung essen Fundraising Grafik-Design Greenpeace Hartz IV homtwmb Klimaschutz Klimawandel Lebensmittel Lieferservice locavore Nachhaltiges Design Nachhaltigkeit Pfandtastisch helfen! Rede rollstuhl Siegessäule socialbar Socialcamp Social Network SOZIALHELDEN spenden Strom transmediale UNICEF USA Video Wahlkampf we feed the world Weihnachten Weltverbesserung
  • Meta

    • Anmelden
    • Artikel-Feed (RSS)
    • Kommentare als RSS
    • WordPress.org

Alles, was gerecht ist. is proudly powered by WordPress | WPD
Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS)