Grüne Kunst gucken
In Wolfsburg kann man nicht nur Fußball und Autos gucken, sondern auch Kunst. Diesmal ist sie grün, denn noch bis zum 10. Februar ist dort die Kunstausstellung „Green Dreams“ des Kunstverein Wolfsburg zu sehen. Ausgestellt werden Beiträge verschiedener Künstler_innen aus den Jahren 1970 bis heute.
Obwohl man in Anbetracht der Omnipräsenz ‚grüner’ Themen den Eindruck gewinnen kann, ökologisches Bewusstsein sei mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen, beeinflussen diese Entwicklungen das Handeln des Einzelnen bisher nur wenig. So steigern sich zwar die Umsätze bei Bio-Lebensmitteln, Kosmetika und auch Fair Trade-Produkten, die Käufer interessiert dieses aber mehr in qualitativer Hinsicht als in ökologischer,
so die kritische Einschätzung der Ausstellungsmacher auf der Website des Kunstvereins.
Was gibt es zu sehen?
Das Thema Recycling/Müll wird durch performative Arbeiten und Installationen der 70er Jahre und von heute behandelt. Zur Frage der Atomenergie bzw. der atomaren Bedrohung zeigt die Ausstellung filmische und zeichnerische Arbeiten. In Form von Modellen wird ein Blick auf die Bildsprache und Rhetorik der Umweltbewegung und ihre Ikonen geworfen. Doch die KünstlerInnen stellen auch Vorschläge für einen zeitgemäßen Umgang mit Umweltschutz, sowie utopische Entwürfe vor.
In der ausstellungsbegleitenden Veranstaltung „Von Gorleben bis Heiligendamm. Zur Ästhetik des Protests“ in der Berliner Heinrich-Böll-Stiftung Ende Januar wurde die Frage nach der visuellen Erscheinung des ökologischen Protests gestellt. „Welcher visuellen und diskursiven Methoden bedient er sich? Und vor allem: Wie kann er sich heute artikulieren, nachdem die Zeit der aktiven Massenproteste vorbei zu sein scheint, wie sie sich Ende der 70er Jahre im Umfeld der erstarkenden Ökologiebewegung formierten?“ Zur Diskussion stand hier, was eine oppositionelle Umweltschutzbewegung heute bedeutet und welcher Handlungsmodelle und medialer Strategien sie sich bedient – auch im Verhältnis zu ihren Vorläufern.
Ob „Green Dreams“ all diese Fragen beantworten kann? Da KünstlerInnen häufig als „Seismographen“ gesellschaftlicher Entwicklung agieren und hierfür nach Darstellungsformen ihrer Beobachtungen suchen, gehe ich davon aus, dass die Ausstellung sicherlich einen Besuch wert sein wird.
Green Dreams | Kunstverein Wolfsburg | bis 10.02.2008 | Katalog zur Ausstellung (60 Seiten, 10 Euro) |
Böll-Stiftung: Green Glamour vs. Gorleben
