Opportunismus oder Interessenlosigkeit: Green IT auf der CeBIT
Die CeBIT in Hannover hat “Green IT” zu ihrem diesjährigen Schwerpunktthema erklärt, ein solides Konzept lässt sich allerdings nur schwer erkennen. Die weltgrößte Messe der Informations- und Telekommunikationsbranche könne “Trends der Industrie aufnehmen und abbilden” meint ihr Chef Ernst Raue. Es gehe um die Energieeffizienz der eigenen Industrie genauso wie die der Anwenderindustrien. Aber gibt es einen wirklichen Durchbruch bei umweltfreundlicher Kommunikationstechnik, die laut Gartner-Schätzungen für 2% der weltweiten CO2-Emissionen (ungefähr so viel wie der gesamte Flugverkehr) verantwortlich ist?
Überall auf dem Messegelände stehen Hinweisschilder zum “GreenIT Village”. Die sind auch bitter nötig, denn der nur wenige Quadratmeter große, aber mit fetten Halogenstrahlern voll ausgeleuchtete Stand ist in die hinterste Ecke der letzten Halle auf dem Gelände (Nr.9) verbannt worden, gute 25 Minuten Fußweg vom S-Bahnhof oder der U-Bahn Messe Nord. Wollte die Messe nicht anders oder interessieren sich Firmen nicht für Umweltschutz?
Raue selbst gibt bei seiner Eröffnungsrede zum Chip Award zu, dass die Aussteller auf die Frage der Messe, welche grünen Technologien sie denn vorstellen werden, zu Beginn keine Antworten hatten. Nach und nach erst sind zögerliche Statements eingegangen… Vielleicht weiss die Technikindustrie gar nicht was mit Green IT überhaupt gemeint ist.Wirtschaftsminister Glos schreibt in einem Grußwort es gehe um “energieeffiziente IT-Nutzung”. Andere meinen es gehören auch Themen wie Giftstoffe, Recycling und Bedingungen bei der Herstellung von Geräten dazu. Die NPO “climate savers” (gegründet von WWF und Firmen wie Google, Intel und FujitsuSiemens) mit der die CeBIT zusammenarbeitet, fokussiert sich auch auf Energie. Sie möchte aufklären über das Powermanagement von Personal Computern, und hat einen Katalog mit klimafreundlichen Computern, komischerweise sind die meisten von den Sponsorenfirmen. Auch der Branchenverband Bitkom setzt auf Verbraucherverhalten und Einkaufsguides für Rechenzentren.
Klingt gut, aber nicht gerade eine Revolution. Endlich praxistaugliche Lösungen im Bereich Photovoltaik oder Brennstoffzellen, für autarke Stromversorgung in technischen Geräten wären zum Beispiel eine. Oder niedrigvoltige Hausstromnetze, um dem Ein-Trafo-pro-Gerät-Problem Herr zu werden. 
Auf der CeBIT wollte man eine umweltfreundliche Informationstechnologie neben dem Green Village über Vorträge und den Green Guide behandeln. Die Vorträge waren Werbeveranstaltungen der ausstellenden Firmen und der GreenGuide 100-seitiges dickes Heft in zwei Sprachen, das mit vielen Grußworten, hohe Ansprüchen und Werbung gefüllt war, aber eigentlich das Papier nicht Wert war auf dem es gedruckt wurde.
Eine interessante Zahl war drin: Wenn jeder der rund 1/2 Million Messebesucher das Powermanagement seines PCs einschalten würde, ließe sich pro Jahr 113 Millionen Kilowattstunden oder der CO2 Ausstoß von 17 000 Autos einsparen.
Also ich jedenfalls schalte meinen Rechner jetzt aus.

Am 8. März 2008 um 16:52 Uhr
[...] Die Suche nach dem Green IT Village allerdings ist etwas komplizierter. Ein ausführlicher Artikel zu den wenigen wirklich grünen Themen der CeBIT findet sich übrigens hier. [...]
Am 10. März 2008 um 07:01 Uhr
[...] wäre z.B. der Blog “Alles was gerecht ist”, der über soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Nachhaltigkei…. Mario Ruckh fragt sich, warum Green IT auf der Messe nur ein Nebenrolle spielt, obwohl es eine der [...]