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Wie vermittelt man eigentlich Nachhaltigen Lebensstil? – Eine Medienberichterstattung

ivytopia.jpg

Anlass dieses Beitrags ist der Artikel “Mama Maischberger und die Öko-Windel“, der vergangene Woche in der Zeitung “Der Tagesspigel” erschienen ist. Darin werden die beiden Gutmenschen-Social Communities ivyworld und utopia vorgestellt, gut fünf Monate nach deren Launch. Für online-Leser ist das ganz schön spät, für noch nicht infomierte vielleicht gerade richtig, aber dich dachte eigentlich, die Aufgabe der klassischen Medien sei es unter anderem, aktuelle Berichterstattung zu leisten (Bitte hier einen Widerspruch einlegen, falls es anders sein sollte). Nach dem Lesen des Artikels blieben ein paar Fragen unbeantwortet: Was unterscheidet eigentlich “Efeuwelt” und “das Land Utopia”? Exisiteren die beiden Portale wirklich einfach so nebeneinander? Was steckt dahinter, was für eine Motivation haben die jeweiligen Betreiber? Wird hier der nachhaltige Konsum erfunden und Verbauchern erstmalig zugänglich gemacht oder wie oder was?

Nach eigenen Angaben hat utopia.de mittlerweile ca. 12.000 Mitglieder, der online-Dienst deutsche startups meldet nach 100 Tagen 10.000 Nutzer. Entstanden ist die Community für Utopisten aus einer Initiative einer handvoll professionell organisierter Medienmenschen mit Marketing-Hintergrund.
Das Protal des Burda-Konzerns zählt derzeit knapp 600 Nutzer. Da liegt die Frage nahe, ob man solch eine Platform “künstlich” initiieren kann, weil das Thema einfach “angesagt” ist und Burda natürlich auch auf das Pferd satteln will, oder ob sie nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Betreiber ein glaubwürdiges Netzwerk darstellen, deren Inititive eine solche “Community” zu starten, aus einem persönlichen und natürlich auch betriebswirtschaftlichem Interesse entsteht?

Ermöglicht wurde dieses Projekt durch ein großes Netzwerk von Gleichgesinnten, die sich nicht mit den durch Menschen verursachten dramatischen Entwicklungen auf unserem Planeten abfinden wollen. Dazu gehören Wissenschaftler, Journalisten, Unternehmer, Medienleute, Umweltexperten und ganz normale Verbraucher wie Sie und ich. Sie alle eint der Wunsch, nicht mehr länger nur darüber zu reden, sondern endlich einen positiven, unser Leben nachhaltig verändernden Prozess in Gang zu setzen. Utopia ist der Anfang dieses Prozesses. (Quelle: utopia.de)

Die ivyworld-Redaktion schreibt in ihrer Rubrik “über IVY”:

Es gibt heute nicht mehr den einen großen Schritt für die Menschheit. Aber es gibt viele kleine Schritte für viele Menschen. IVY ist das Medium, das über diese kleinen Schritte berichtet, über die vielen guten und wichtigen Ideen (und über ein paar schöne, aber unwichtige natürlich auch). Dabei berichtet aber nicht nur die Redaktion von IVY – jeder ist eingeladen, mitzumachen. Wir alle haben die Macht, die Welt zu verbessern. Jeder kleine Schritt zählt. Wir fangen dann schon mal an.

Noch Fragen?
fairdo.jpgBurdas Ivyworld und Langners Utopia sind die zwei bekanntesten sustainable-lifestyle-Social Communities , dabei gibt es noch weitere Seiten mit Netzwerkcharakter und Nachhaltigkeitsthematik wie betterplace oder fairdo. Letzteres hat übrigens beinahe so viele (oder wenige) Mitglieder wie ivyworld (die Zahl “500″ war bis vor kurzem noch auf der fairdo-Seite zu lesen)!

137.jpgInformationsangebote zum Thema “Nachaltiger Konsum” sind auch nicht neu: Das Verbraucherschutz-Ministerium (BMELV) startete unter Renate Künast die Kampagne “Echt Gerecht – clever kaufen”, die bis kurz vor dem Durchbruch des massentauglichen nachhaltigen Konsumierens lief und zum Ende des Jahres 2006 eingestellt wurde.

Die Maßnahme hatte das Ziel, Verbraucherinnen und Verbrauchern die Zusammenhänge zwischen dem individuellen Konsumverhalten und den Umwelt-, Lebens- und Arbeitsbedingungen darzustellen und ihnen zugleich Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wie Verbraucherinnen und Verbraucher ihr tägliches Handeln an den Kriterien der Nachhaltigkeit ausrichten und zur Unterstützung nachhaltiger Wirtschaftsweisen beitragen können. (Quelle: BMELV)

Bereits 2003 startete der Rat für Nachhaltige Enwicklung das Projekt “Nachhaltiger Warenkorb – Ein Wegweiser zum zukunftsfähigen Konsum” (Broschüre als pdf). Darin heißt es:

Mit kleinen Beiträgen viel erreichen – ohne Verzicht
Verantwortungsvoller Konsum ist kein Aufruf zum Verzicht. Im Gegenteil: Gesunde Vielfalt bedeutet ein Mehr an Lebensqualität und eine intensive Nutzung von Gebrauchsgütern ein Mehr an Umweltschutz, eine bewusste Kaufentscheidung ein Mehr an Lebensfreude und Freiheit.

oe100_english.jpgtextil.jpgDer Lifestyle-Wert der politisch initiierten Kampagnen ist natürlich nicht zu vergleichen mit der von “ivytopia”. Ich meine nur: Konsumtipps sind keine Erfindung des Internets, sie werden dort gut zusammengefasst und gut verpackt, schön gemacht, verbraucherfreundlich angeboten, mit ein paar Geschichten gesäumt und einer Social Community hinterlegt. Bio- oder Ökotextilsiegel sind eben längst nicht so ansprechend (an dieser Stelle wird auch gerne das kleine Wörtchen “sexy” verwendet) wie gut inszenierte Bildwelten, seien es Fotostrecken oder Videos. Die große Frage ist tatsächlich, wie das Thema “Nachhaltiger Lebensstil” am besten vermittelt werden kann. Da reicht es einfach nicht nur zu sagen, “es gibt da jetzt zwei Online-Portale”. Ich finde, es geht um mehr als das, was im Tagesspiegel zu lesen ist, oder?

Foto: utopia.de/ivyworld.de

Sonntag,23. März 2008 | von Andrea Nienhaus | Beitrag kommentieren | Kommentare als RSS 2.0 Feed abonieren | Kategorien Digital Lifestyle, Wirtschaft und Finanzen | direkten Link anzeigen

2 Kommentare zu “Wie vermittelt man eigentlich Nachhaltigen Lebensstil? – Eine Medienberichterstattung”

  1. Mathias
    Am 24. März 2008 um 17:19 Uhr

    … der Artikel im Tagesspiegel ist ja doch ziemlich ironisch. Ob die LOHAS wirklich ein nachhaltiger Trend sind oder nur eine neue Konsumverpackung wird sich erst zeigen müssen.
    Es stimmt misstrauisch, dass plötzlich eine Fülle von Internetseiten und tw. auch Printprojekten sich auf diese noch gar nicht genau definierte Zielgruppe stürzt. Offenbar will man sie mit eigenen Konzepten umgarnen, ehe es andere tun.
    Dagegen ist nichts zu sagen, besser die Leute kaufen nachhaltige Waren als andere. Und der Stil ist gerade bei Utopia auch erheblich ansprechender als die sperrigen Warenkörbe des Rates für Nachhaltige Entwicklung oder die gut gemeinten Fair-Kampagnen.
    Aber: Auch nachhaltiger Konsum braucht Ressourcen und angesichts der Herausforderungen des Klimawandels frage ich mich doch, ob strategischer Konsum die richtige Antwort ist. Ich fürchte, wir brauchen eher ein Kultur des Verzichts – und das fällt (auch mir) schwer und lässt sich kaum gewinnbringend propagieren.

  2. Nachhall Texter
    Am 29. März 2008 um 11:04 Uhr

    Ein Abend mit Reset und Fairdo

    Bevor ich noch kurz etwas erzähle zu zwei interessanten Gesprächen, welche die Nachhall-Texter gestern geführt haben, noch ein Link zu Andreas sehr interessanter Replik auf einen Tagesspiegel-Artikel über die Lohas-Communities Utopia und Ivyworld.
    …

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