Holiday trifft Hilfsorganisation

Am vergangenen äußerst erholsamen Wochenende an der Mecklenburgischen Seenplatte (die Gegend ist ein absolutes MUSS!) las ich einen sehr bezeichnenden Artikel im SZ-Magazin über den Trend der Auslandsreisen junger Erwachsender in Armutsregionen dieser Welt, um dort für eine kurze Zeit Hilfe zu leisten. “Egotrips ins Elend” lautete der Titel. Die Angebote von Organisationen wie ASA, AFS oder der durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammmenarbeit und Entwicklung (kurz BMZ) geförderte Freiwilligendienst weltwärts sind vielfältig und erfreuen sich einer immer größeren Bewerberzahl. Aber wie sinnvoll sind diese Programme wirklich? Wem nützen sie eigentlich und welche Interessen werden hier langfristig vertreten? Die Diskussion ist eine Gratwanderung.
Auszug:
[...]»Vor zwanzig Jahren galten wir Entwicklungshelfer als linke Schluffis in Birkenstocks«, erinnert sich Karoline Wiemers-Meyer, eine ehemalige Entwicklungshelferin. Als sie vor 25 Jahren von ihrem ersten Einsatz zurückkam, erzählte man davon auf dem Arbeitsamt besser erst einmal nichts. Arbeitgeber, die dennoch von ihrer Vergangenheit erfuhren, wurden meist skeptisch. Irgendwann kam dann die obligatorische Frage: »Und, wann wollen sie wieder aussteigen?« Heute dagegen gelten Freiwilligendienste als stählende Erfahrung, als Spoiler am Heck eines getunten Lebenslaufes. Man brüstet sich damit bei Bewerbungen für amerikanische Elite-Universitäten und deutsche Begabtenförderwerke. Die begehrtesten Unternehmen sehen sie als Beleg für Schlüsselqualifikationen und Charakterstärke.”
“Egotrips ins Elend“, von Florian Töpfl, in: Süddeutsche Zeitung Magazin, Gesellschaft/Leben, Heft 19/2008
Am 14. Mai 2008 um 09:26 Uhr
Also eine gute Freundin von mir ging für rund 1,5 Jahre nach Mittelamerika in ein Kinderheim. Der Begriff “Kinderheim” ist allerdings nicht wirklich treffend, weil es ein größeres Areal war mit vielen verschiedenen Einrichtungen UND die ganze Sache läuft unter Obhut der kath. Kirche… Na ja – dessen ungeachtet kann ich nur vor dem Hintergrund dieses Einzelfalls eine Meinung dazu äußern. Meine Freundin ist nämlich bestimmt nicht wegen der Kinder dort hingegangen. Vielmehr um sich selbst zu finden bzw. um sich selbst etwas zu beweisen… Also ein absolutes Ego-Ding. Sicherlich – nach einiger Zeit sind ihr die Kinder sehr ans Herz gewachsen, aber ihr Grund dort tätig zu werden hatte rein gar nichts mit dem Aspekt “ich tue etwas gutes” oder “ich helfe vor Ort” zu tun…
Wie gesagt ein Einzelfall – für mich persönlich stand so etwas nie zur Debatte.
Am 19. Mai 2008 um 18:33 Uhr
[...] Egotrips ins Elend Florian Töpfl schreibt im Süddeutsche Zeitung Magazin, dass viele junge Menschen die in Entwicklungsländern als Freiwillige arbeiten in erster Linie sich selbst und ihrer Karriere nützen, nicht aber den Armen. Das mag auf kurze Sich sogar stimmen, doch muss man meiner Meinung nach eine solche Erfahrung in erster Linie als Bildungsinvestition sehen. Wenn der deutsche Etat für Entwicklungszusammenarbeit jemals auf das seit Jahrzehnten versprochene Niveau angehoben werden sollte, woher sollen denn dann die ganzen Experten kommen? Abgesehen davon ist auch nicht zu unterschätzen, was derartige Erlebnisse mit einem jungen Menschen “anrichten” können. Ohne meine “Freiwilligendienste” (Praktika) in Bangladesch und Co., wäre ich nach dem Studium wohl kaum in der Entwicklungszusammenarbeit gelandet und hätte auch Helpedia nicht gegründet (via Alles-was-gerecht-ist). [...]