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Gesellschaftliches Engagement – nichts als nur Karrierechancen!?

Es gibt sie immer wieder – diese Momente in denen Hoffnung erwächst. Ganz klar spielen Themen wie Nachhaltigkeit, bürgerliches Engagement und soziale Gerechtigkeit in vielen Medien und bei den Politikern eine wichtige Rolle – aber wenn es konkret wird, kommt wenig brauchbares dabei heraus. Vielmehr schwingt in politischen Entscheidungen häufig nur eines dieser genannten Themen mit – aber eine Lanze bricht dafür niemand.

Warum ist das so? Was kann man eigentlich noch tun, um Themen wie diese nicht nur auf die öffentliche Agenda zu bringen – sondern sie auch in unserem Alltag einbringen und leben? Welche Rolle die Zivilgesellschaft gerade bei Themen wie Nachhaltigkeit oder soziale Gerechtigkeit spielt, das wird bislang zu selten diskutiert. Aber es gibt sie – diese Momente in denen die Hoffnung erwächst, dass sich diesmal etwas ändert:

Veranstaltungreihe

Als ich von einer öffentlichen Veranstaltung über soziale Kompetenzen und gesellschaftliche Verantwortung erfuhr, war die Begeisterung bei mir natürlich riesengroß. So ergab sich am vergangenen Mittwoch die Möglichkeit meinen oben gestellten Fragen leibhaftig nachzugehen: das Jugendmagazin des Handelsblatts “Junge Karriere” hat zur Diskussion mit dem Bundesminister der Finanzen, Peer Steinbrück, geladen. Im Kinosaal der Humboldt Universität zu Berlin sollte zum Thema “Soziale Kompetenz und gesellschaftliche Verantwortung – mehr als nur Karrierechancen” debattiert werden.

Wow – wann erhält man schon mal die Möglichkeit mit einem Minister vis-à-vis zu diskutieren???
… man durfte also gespannt sein!

Leider muss ich berichten, dass meine Erwartungen an die Veranstaltung – aber auch an die anwesenden Studierenden enttäuscht wurden.
Aus einer Diskussion über soziale Gerechtigkeit und gesellschaftliche Verantwortung wurde eher ein Branchentalk über Steuermodelle und Finanzfragen.

Der Moderator hat es leider nicht geschafft, weder Peer Steinbrück noch die anwesenden Studierenden mit dem eigentlichen Thema zu konfrontieren. Erst gegen Ende der Veranstaltung wurden Fragen gestellt, die wenigstens etwas damit zu tun hatten: “Was soll ich tun, wenn in immer mehr Stellenanzeigen gesellschaftliches, soziales Engagement gefordert wird, ich jedoch während meines Studiums, meines Jobs und diverser Freizeitbedürfnisse keine Zeit dafür gefunden habe???”

Die Frage nach gesellschaftlichem Engagement wird also entweder Blockade oder Katalysator der eigenen Karriere. Aber dieses Unterfangen ist doch längst bekannt und nichts neues. Deshalb haben die Verantwortlichen der Veranstaltung dem Thema noch dieses nette Anhängsel gegeben – mehr als nur Karrierechancen!

Zur Sprache ist es jedoch nicht gekommen. Welche vergebene Möglichkeit!

Denn gerade eine solche Veranstaltung hat doch das Potential vor vielen Multiplikatoren den eigentlichen Wert von gesellschaftlichem Engagement herauszustellen. Als Gegenentwurf zur karrieristischen Lebensplanung, also der Generierung eines möglichst hohen Einkommens, in der die Leitdifferenz “haben/nicht-haben” ausschließlich existenzentscheidend zu sein scheint, zeigt gesellschaftliches Engagement doch gerade wie bedeutend soziales Miteinander ist und welche Kraft aus einem starken sozialen Netz hervorgehen kann.

Leider hat das Auditorium gesellschaftliches Engagement nicht als Selbstzweck verstanden bzw. als Grundpfeiler einer jeden Gesellschaft. Dass ein Vertreter der Politik und nicht irgendein Vertreter – sondern der Bundesminister der Finanzen – dies nicht herauszustellen vermag, finde ich geradezu fatal. Der eigentliche Sozialstaat Deutschland entzieht sich immer mehr seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen und es liegt nicht zuletzt in der Verantwortung des Bundesministers der Finanzen öffentliche Mittel zu vergeben bzw. nicht zuvergeben und kann dadurch die Entwicklung sozialer Missstände sogar begünstigen.

Ich persönlich halte die Reformierung des Sozialstaates für eine Notwendigkeit, aber ebenso wichtig erscheint mir jedoch die Sensibilisiering eines jeden Einzelnen um gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Es liegt auch an der Politik ehrenamtliches Engagement dementsprechend zu würdigen, damit Beteiligte stolz auf ihr Engagement sein können und sich überhaupt weitere Engagierte finden. In vielen Fällen geschieht mitunter sogar das Gegenteil.

So bleibt alles komischerweise beim Alten: Für die Mehrheit ist gesellschaftliches Engagement notwendiges Übel zur Karriereplanung und damit häufig alleinige Motivation um gesellschaftliches Engagement zu zeigen.

Auf meine Frage, ob es nicht auch Aufgabe der Politik sei, gesellschaftliches Engagement zu fördern bzw. zu fordern, konnte/wollte der Bundesminister der Finanzen mir keine Antwort geben.

Es gibt sie immer wieder - diese Momente in denen Hoffnung erwächst. Ganz klar spielen Themen wie Nachhaltigkeit, bürgerliches Engagement und soziale Gerechtigkeit in vielen Medien und bei den Politikern eine wichtige Rolle - aber wenn es konkret wird, kommt wenig brauchbares dabei heraus. Vielmehr schwingt in politischen Entscheidungen häufig nur eines dieser genannten ...

Tags: bürgerliches, Engagement, Gerechtigkeit, gesellschaftliches, Karriere, Karrierechancen, Peer Steinbrück, Verantwortung, zivilgesellschaftliches

Montag,14. Juli 2008 | von Christoph Zinsius | Beitrag kommentieren | Kommentare als RSS 2.0 Feed abonieren | Kategorien in eigener Sache, Politik, Soziales, Wirtschaft und Finanzen | direkten Link anzeigen

Ein Kommentar zu “Gesellschaftliches Engagement – nichts als nur Karrierechancen!?”

  1. Frank Hummert
    Am 14. Juli 2008 um 15:50 Uhr

    Ist doch klar, dass denen da oben nichts dazu einfällt. Was sollen die auch dazu sagen?!!
    “Stimmt, ihr habt Recht. Wir haben uns bisher keine Gedanken gemacht.” Ich bin mir sicher, dass Herr Steinbrück wie auch seine Kollegen sich diesem Problem sehr wohl bewusst sind, bisher jedoch alles versuchen ihre eigene Verantwortung zu verleugnen. Wenn der Sparzwang so weitergeht und gesellschaftliches Engagement weiterhin mit Füßen getreten wird, sehe ich jedoch ROT.

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