Markenkreation in Perfektion
Bei Barack Obama können sich deutsche Politiker noch einiges abgucken. Durch ein perfektes Zusammenspiel unterschiedlichster Kommunikationsinstrumente (vorallem dem Web 2.0) ist seine Markenstrategie ideal aufgegangen – nach dem Spektakel gestern in Berlin kann man nur noch sagen – er hat sich selbst in den Olymp der Marken gehieft.
Grassrooting nennt sich seine Wahlkampfstrategie in den USA. Als er im Februar 2007 seine Präsidentschafts- kandidatur bekannt gab, hat ihm kein Experte diesen Werdegang progostiziert. Zu Beginn kannte ihn niemand und selbst im Januar 2008 – vor der ersten Vorwahl um den demokartischen Präsidentschaftsbewerber – galt Hillary Clinton als die sichere Gewinnerin – nicht nur der ersten Wahl in Iowa sondern des gesamten Vorwahlkampfs. Es ist anders gekommen – auch weil “Barack Obama” zur Marke wurde.
Wie sehr “Barack Obama” bereits als Marke operiert, zeigt sein Engagement als Co-Sponsor der NBC-Berichterstattung von den olympischen Spiele in Peking. So werden bei Übertragungen von den olympischen Spielen seine Wahlkampfspots in allen Staaten der USA gezeigt. Weiteres auf sueddeutsche.de
Dass Obama über 200.000 Menschen in Berlin mobilsieren konnte, davon ihn jedoch kaum einer zum Präsidenten wählen kann, macht diese Begeisterung um ihn noch unbegreiflicher. Als ich Menschen gestern vor der Rede Obamas nach ihren Beweggründen zur Siegessäule zu kommen befragt habe, hörte ich immer wieder die gleichen Antworten:
“Ich muss ihm einfach nah sein. Er hat eine unbeschreibliche Anziehungskraft, er hat Charme, er hat Antworten auf die Fragen unserer Zeit.”
“Er strahlt etwas ganz besonderes aus. Er kann die Welt verändern. Er ist einfach toll.”
“Barack Obama ist ein irrer Typ. Ich will ihm unbedingt mal richtig sehen.”
Aussagen über die sich Marketingexperten riesig freuen würden – sofern sich das Produkt in ihrem Portfolio befindet. Und gerade der Hype hier in Berlin hat gezeigt, dass für viele Obama mehr ist, als nur ein Politiker auf Europareise, der sein außenpolitisches Profil schärfen möchte.
Für viele scheint er tatsächlich die Antwort auf viele wichtige Fragen unserer Zeit. Der Klimawandel ist im vollen Gang, Rofstoffpreise schnellen von Tag zu Tag zu neuen Rekorden, die Terrorgefahr ist nach wie vor nicht eingedämmt und die immer neuen Drohgebärden aus dem Iran bereiten vielen Menschen Angst. Übertrieben ausgedrückt, sehen einige in ihm den Erlöser des 21. Jahrhunderts.
Der Senator aus Illinois steht ohne Zweifel für einen neuen Stil in der Politik – im Kontrast zu George W. Bush setzt er auf Versöhnung und Diplomatie. Er will Zuhören und Probleme gemeinsam anpacken. Die letzten acht Jahre haben doch viel zu deutlich gezeigt, dass politische Alleingänge niemanden weiterbringen.
Barack Obama steht aber auch im Kontrast zum Establishment. So steht er für Glaubwürdigkeit, für Authentizität und Identifikation. Dass er Politik und Entertainment verbindet und selbst zur Popfigur aufgestiegen ist, scheint ihm bisher keine Probleme zu bereiten. Die Aufmerksamkeit der Medien ist ungebrochen und verstärken den Hype um ihn umso mehr. So wird Barack Obama zum Gesellschaftsphänomen, für das sich jeder interessiert um wenigstens mitreden zu können.
Wie sehr sich die Marke “Barack Obama” vom Menschen “Barack Obama” unterscheidet, mag heute keiner bewerten können. Sicher jedoch ist, dass Barack Obama als gewählter Präsident der USA vorallem die Interessen des amerikanischen Volkes vertreten wird und muss.
Spätestens dann müssen seine Visionen in konkrete Antworten münden und diese werden sich erheblich davon unterscheiden, was Barack Obama derzeit in Europa so erfolgreich macht.
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Am 26. Juli 2008 um 20:18 Uhr
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