Was ist dran an am Ökotest zu Energiesparlampen?

Die aktuelle Ausgabe von Ökotest alarmiert: Energiesparlampen seien gar nicht so sparsam, einige verbrauchen sogar mehr Strom als Glühlampen. Zudem gefährdeten sie Mensch und Umwelt. Stimmt das? Ein Blick auf den Test der Stiftung Warentest vom März dieses Jahres kann entwarnen: Die dort gemessenen Feldstärken liegen sehr nah an, teilweise sogar unter dem Vorsorgewert der schwedischen TCO-Norm für Computermonitore (für Beleuchtung existieren keine eigenen Grenzwerte). Getestet wurden hier Markenlampen, aber auch Modelle im Angebot von Ikea und Aldi. Ökottest legt hingegen einen sehr starken Schwerpunkt auf Billiglampen. Daneben belegen die Messungen von Warentest, dass die dort geprüften Qualitätslampen die angegeben Vergleichshelligkeiten zu Glühlampen locker einhalten. Wer gezielt schlechte Lampen testet, bekommt auch miese, aufsehenerregende Ergebnisse. Ist das Absicht? Verbraucher sind in jedem Fall gut beraten, keine Billigimporte sondern nur Qualitätsprodukte zu kaufen.
Schade ist, dass Ökotest als privatwirtschaftliche Unternehmung mehr an der Schlagzeile, als an objektiver Verbraucherinformation interessiert zu sein scheint. Dabei werden alle Register gezogen und als Kronzeugen bekannte Stimmungsmacher konsultiert, deren Behauptungen durch ständiges Wiederholen nicht faktischer werden. Was stimmt: Energiesparlampen erzeugen tatsächlich hochfrequente Felder. Allein elektrosensiblen Menschen wird empfohlen, vorläufig an Orten, an denen sie sich häufig aufhalten, auf Sparlampen zu verzichten und einen Mindestabstand von 1,50m einzuhalten. Für gesunde Menschen besteht kein Grund zu Panik. Auch die angeblichen Auswirkungen auf Hormonhaushalt oder sogar karzinogene Wirkungen konnten bisher nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden.
Was Quatsch ist: Es wird behauptet, die immensen Wärmeverluste der Glühlampen wären keine Verschwendung, da diese ja hauptsächlich im Winter brennen und dann eben die Wohnung heizten. Das ist genauso richtig, wie das Wärmepumpen Strom sparten.
Was passieren muss: Die Hersteller müssen so schnell wie möglich Lampen entwickeln, deren Feldstärken auch unter 30cm unter den Grenzwerten der TCO-Norm liegen. Die Leuchtenindustrie muss künftig ausschließlich geerdete Leuchten anbieten. Diese können einen Großteil der Felder vermeiden. Und keine Frage: Quecksilber muss global verbannt werden. Bis dahin müssen alte Leuchtmittel fachgerecht entsorgt, also im Handel und bei kommunalen Wertstoffhöfen abgeben werden.
Das geplante “Glühlampenverbot” der Ökodesign-Richtlinie ist sinnvoll, denn es ist ein starker Treiber für Produktinovationen für grüne Beleuchtung – auch jenseits der oft als Übergangslösung bezeichneten Energiesparlampen. Verboten wird hier auch nicht die Nutzung, sondern allein, ineffiziente Produkte auf den EU-Markt zu bringen. Das nur etwas mehr als 1% Energie gesamt betrachtet eingespart werden, spricht nicht gegen diese Maßnahme. Es ließe sich sonst gegen fast jede, der vielen nötigen Einzelmaßnahmen anwenden. Und selbst “nur” 1 Prozent des Europäischen Primärenergieverbrauchs sind ne Menge CO2. Allein die Maßnahmen der EU-Komission zur Einschränkung von Standbyverlusten spart beispielsweise “nur” eine Strommenge in Höhe des Gesamtverbrauchs Dänemarks ein.
Tags: Ökodesign, elektormagnetische Felder, Energieeffizienz, Energiesparlampen, Glühlampenverbot
Am 3. Oktober 2008 um 14:51 Uhr
Danke, dass ihr aufgezeigt habt, was Nachrichtengrößen wie dem Stern in einer allgemein verständlichen Analyse nicht gelungen ist: Im Artikel zu dem Öko-Test-Urteil wird zwar ständig ein zweifelnder Unterton vermittelt, konkrete Schwächen oder Gegenargumente werden dem interessierten Verbraucher aber nicht in der Meldung vermittelt: Energiesparlampen: Leuchten ohne Strahlkraft.
Auf RESET haben wir die großen Hersteller von Energiesparlampen in einer Übersicht zusammengestellt: Die beste Energiesparlampe.
Am 5. Oktober 2008 um 19:19 Uhr
Dass sich Energiesparlampen trotz günstigeren Preis-/Leistungsverhältnissen in Wohnbereichen weder bei “gesunden” noch bei “kranken” Menschen durchsetzen konnten, hat doch Gründe — wiewohl noch nicht angemessen untersuchte. Darüber einfach so hinweg zu gehen, ist nicht gerade menschenfreundlich. Aber gruseliger noch:
ZITAT: “Allein elektrosensiblen Menschen wird empfohlen, vorläufig an Orten, an denen sie sich häufig aufhalten, auf Sparlampen zu verzichten und einen Mindestabstand von 1,50m einzuhalten. Für gesunde Menschen besteht kein Grund zu Panik. … ”
Nur für kranke Menschen besteht ein Grund zur Panik? Macht ja nix! Oder was?!
Grund zur Panik besteht u.a., weil man in öffentlichen und Firmengebäuden Energiesparlampen munter flimmern lässt, bevor sie mal repariert bzw. ausgewechselt werden. Das Geflimmere erhöht bei zehntausenden von Menschen die Bereitschaft zu Krampfanfällen (siehe z.B. “Photosensibilität” bei Wikipedia). Ein weiterer Grund zur Panik ist die zunehmende Armut: GUTE Energiesparlampen sind eine Investition, für die man Geld vorschießen muss, das Leute auf Hartz IV nicht übrig haben.
Am 7. Oktober 2008 um 08:48 Uhr
“Allein elektrosensiblen Menschen wird empfohlen, vorläufig an Orten, an denen sie sich häufig aufhalten, auf Sparlampen zu verzichten und einen Mindestabstand von 1,50m einzuhalten. Für gesunde Menschen besteht kein Grund zu Panik. … ”
Ich kann mich Maike nur anschließen. Für mich ist das vergleichbar mit der Aussage des Bundesamt für Strahlenschutz, dass die hochfrequente Strahlung der DECT Telefone und WLAN nicht gefährlich sind, aber man doch möglichst die Basisstation des DECT Telefons nicht dort aufzustellen, wo man sich länger aufhält, oder doch nach Möglichkeit eine Kabelverbindung zum Internet nutzen sollte. Warum, wenn’s doch so ungefährlich ist?
“Das geplante “Glühlampenverbot” der Ökodesign-Richtlinie ist sinnvoll, denn es ist ein starker Treiber für Produktinovationen für grüne Beleuchtung – auch jenseits der oft als Übergangslösung bezeichneten Energiesparlampen.”
Das mag schon sein, dass es ein starker Treiber für Produktinnovationen ist. Aber seit wann kümmert es die Industrie, welche gesundheitlichen Auswirkungen ihre Produkte haben? Die Kasse muss stimmen! Und die wird stimmen, wenn alle nur noch die teureren Energiesparlampen kaufen können!
“Daneben belegen die Messungen von Warentest, dass die dort geprüften Qualitätslampen die angegeben Vergleichshelligkeiten zu Glühlampen locker einhalten. Wer gezielt schlechte Lampen testet, bekommt auch miese, aufsehenerregende Ergebnisse. ”
Tja, der Trugschluss ist nur, dass wahrscheinlich 80% der Bevölkerung die billigen kaufen!
Dieses ganze Getue um die Energiesparlampen ist meiner Meinung nach sowas von aufgebauscht. Wie wäre es denn mal mit Energiesparen, in dem man nicht überall das Licht auf Dauerbetrieb eingschaltet läßt? Die Energiesparlampe gibt einem doch nur das gute Gewissen, etwas gegen den Treibhauseffekt zu tun, auch wenn überall “Festbeleuchtung” ist.
Würde nur einer auf die Idee kommen, Kerosin zu besteuern und damit den Billigflügen einen Riegel vorzuschieben, wäre das Geschrei groß. Aber meine Glühbirnen auszutauschen, tut mir ja nicht weh.
Birgit Geistbeck (überzeugte Glühbirnenbenutzerin)
Am 12. Oktober 2008 um 07:31 Uhr
Den Selbstversuch kann jeder selbst durchführen, auch ohne teures Meßinstrument zur Lumenermittlung. Gerade ein Blog sollte sich doch nicht ohne Prüfung für eine Seite entscheiden nur weil diese besser ins Konzept passt, sondern selber einmal prüfen.
Im Energiebereich wird durchaus versucht dem Bürger auch eine Menge Nippes unterzuschieben und es wäre hilfreich wenn es einige mehr geben würde die anstatt die Öko Fahne zu schwenken kritischere Bewertungen vornehmen würden.
Am 19. März 2009 um 23:51 Uhr
Hier gibts unabhänige Infos zu Elektrosmog (und zu vielen anderen Themen auch):
http://www.gwup.org/infos/themen-nach-gebiet/66-gesundheit/633-elektrosmog
Am 21. Dezember 2009 um 21:40 Uhr
Ein kleiner Überblick über bereits erfolgte Tests ist hier zu finden:http://www.gluehbirne.ist.org/tests.php
“Obwohl der ‘Öko-Test’ vergleichsweise niedrigere Feldstärken ermittelte und Stiftung Warentest die höchsten, wurde er oft kritisiert und Stiftung Warentest durchweg gelobt. Warum? ‘Öko-Test’ hat den Elektrosmog nicht nur gemessen sondern auch bewertet, Stiftung Warentest hat zwar gemessen, aber die Ergebnisse nicht bewertet.
Die Schweizer Bundesämter BAG und BFG fanden an allen 11 Lampen fast gar nichts, kein Wunder, haben sie doch mit nicht TCO-konformen Stabantennen falsch gemessen ”
Zitat: http://www.diagnose-funk.org/assets/maes_energiesparlampe-hinters-licht.pdf