Sänk ju for trävelling – the moving office week
Bis kommenden Freitag mache ich ein Experiment: Durch einen glücklichen Zufall habe ich die Gelegenheit erhalten, eine Woche lang mit der Bahn durch die Republik zu reisen. Dafür werde ich mein “Office” kurzweilig in diverse Waggons zwischen Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf, Weimar und Eisenach verlegen. Im Gepäck habe ich u.a. meinen Laptop, Mobile Phone und einen schicken W-Lan-Stick, damit ich weiterhin “anschlussfähig” bin und während der Arbeit Mails etc. verschicken kann. Unterwegs zu sein empfinde ich als sehr inspirierend. Manchmal trifft man ja auch auf angenehme Sitznachbarn und nach München und Weimar wollte ich sowieso schon immer mal, kurz. Also, los geht es.
Fahrt #1:
Freitag, 24. Juli 2009: Berlin-Hannover-Osnabrück
Ich nehme den ICE, denn der überholt den IC, so dass ich in Hannover noch den Anschlusszug bekomme zur Weiterfahrt nach Osnabrück und dann zu den Eltern. Auf der Fahrt regnet es heftig. Gleichzeitig zeigt sich die Sonne und es ergibt sich ein wunderschönes Lichterspiel. Zuerst noch Arbeit erledigen. Dank Rauls “fonic” Stick kann ich hier Skypen. Wow! Als der Akku kurz nach Wolfsburg seinen Geist aufgibt klappe ich meinen Rechner zu.
Ich schnappe das Gespräch meiner Tischnachbarn auf, einem älteren Paar. Die Frau hat einen sehr noooordischn Akzent. Sie sagt: “Diese Ausstellung, von der… na… wie heißt sie noch? Die Fotografin hat mal den Schröder und die Merkel über mehrere Jahre hinweg porträtiert.” Ihre Sprache ist präzise. Ich klinke mich in das Gespräch ein und sage: “Sie heißt Herlinde Koelbl”. Das ist der Beginn einer unserer gemeinsamen Unterhaltung bis Hannover. Hier müssen wir umsteigen. Ich erfahre tolle Dinge wie: Unbedingt die Bauhaus-Ausstellung im – na- Gropius-Bau anschauen. In Hamburg soll ich mir mal das Barlach-Haus ansehen, empfielhlt die Dame mir. Ich frage, ob sie Kunsthistorlkerin sei. Nein, alles Interesse. Sie kommt aus der Literatur, die Ecke… Ihr Mann sagt nichts. Er trägt ein Hörgerät. Seine Sprache klingt nach Österreich. Ich erfahre, dass sie selbst in einem Bauhaus-Haus wohnen. In Celle. Nichts darf man daran verändern. Auch keinen Zugang von ihrem Balkon in den Garten bauen. Das ist echt ungerecht. Na, wegen des Denkmalschutz halt…
Dann fahre ich noch gut zwei weitere Stunden. Laptops in Zügen sind ja so normal wie das Bahn-Mobil-Magazin auf den Tischen geworden. Entscheidend ist dabei: An welchen Plätzen gibt es Steckdosen? Und vor allem: freie und funktionierende. Und: Woher kommt eigentlich der Strom der Bahn?
Der Apfel, den ich abends bei den Eltern Esse kommt jedenfalls aus Neuseeland. Bad! “Sie lassen sich einfach besser essen als tropfende Pfirsiche”, sagt meine Mutter. Und was ist mit Nektarinen? Mit den Eltern gibt es dann noch ein Gespräch über Geschäftsreisen. Also, wenn er im Zug sitzt, will er nicht auch noch Mails lesen müssen und das als Arbeitszeit verstehen, so mein Vater. Reisen ist Reisen. Aber was, wenn die Grenzen zwischen “Erwerbsarbeit” und dem restlichen Leben mehrund mehr verschwinden? In London, so habe ich kürzlich hier gelesen, ist man gerade ganz hipp und voll dabei, wenn man zu seinem Arbeitsplatz joggt. Das finden die Arbeitgeber auch ganz toll und statten ihre Büros nun auch mit Umkleidekabinen um. Fitte Mitarbeiter sind ja auch gut fürs Unternehmen. „Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen.“, hat der schlaue Sokrates mal gesagt. Na dann…

Am 15. Juni 2011 um 22:31 Uhr
[...] zwischen Hamburg und München in den Großraumateilen des ICE. Wie es mir dabei erging schrieb ich auf diesem Blog. Während der Fahrt entstand eine Serie von [...]