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Soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und deren Nachhaltigkeit. Interessante Ideen & Projekte

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Neues vom Hartz IV-Experiment

hartz

Wir haben uns inzwischen an das Tagesbudget von 8,10 € gewöhnt und es sogar bisher geschafft Luxusbeschäftigungen wie Yoga und Singen von dem Geld zu bezahlen. Allerdings erlaubt das Budget nicht über den Moment hinaus zu denken. Eine Mediations-Ausbildung, könnte Lisa nicht zahlen, die Reise nach Israel, die bei ihr nach Projektende ansteht, wäre nicht drin, die Überlegungen, für ein neues Fahrrad zu sparen, könnte sie bleiben lassen. Und das sind nur Peanuts im Vergleich zu kaputt gegangenen Brillen, Praxisgebühren oder anderen grundlegenderen Bedürfnissen. Reisen, Fortbildungen und größere Anschaffungen sind mit wenig Geld eben nicht verwirklichbarer Luxus. Für Lisa sind sie sonst gut geplanter und lang angesparter Luxus. Das ist ein großer Unterschied.

Unser Bericht über die zweite Hartz IV-Woche:

Tag 9 – Dienstag

Raul:

Völlig ohne nachzudenken, habe ich 2 Songs bei iTunes gekauft. Man merkt garnicht, dass man dabei Geld ausgibt. Mist, 2 Euro weniger für heute im Portemonaie.

Gehe jetzt einen Kumpel treffen. Mal sehen wie ich den heutigen Tag bestreite.

Wieder 3,50 für Kuchen + Getränk ausgegeben. Der heutige Tag wird knapp.

Mit ner Freundin Mittagessen gewesen. 5 € war aber lecker. ich sollte wieder zuhause essen.

Lisa:

Sogar in der Mensa ist es leicht Geld auszugeben. Dieser Gedanke von “ich gönn mir mal was”, was in meinem Fall heute eine einfache Bionade zum Kantinenessen war, ist schon gefährlich. Vor allem gehe ich heute Abend noch zum Yoga. Budget längst überschritten. Ups!

Tag 10 – Mittwoch

Raul:

Heute in der Kantine gegessen und vergessen nur eine halbe Portion zu bestellen. Mist, wieder 5 Euro flöten.

Am Abend 5 Euro in ein super leckeres selbstgekochtes Abendessen mit Freunden investiert. Der Tag war teurer als erwartet.

Stelle fest, dass mich viele Leute wegen dem Projekt auslachen. Einige behaupten, dass es ja kein Problem sei von 8,10 Euro zu leben. Mache ich irgendwas falsch?

Lisa:

Heute mal nen Kaffee gegönnt zum Frühstück! oh yeah!
Den Tag mit Oma unterwegs; sie zahlt. Abends für ne Limo draußen. Morgen muss ich mal wieder den Küli auffüllen.

Tag 11 – Donnerstag

Raul:

Heute ist es soweit. Meine Mitbewohner waren einkaufen. 40 Euro auf einen Schlag. Das ist happig.

Am Abend gab es eine kleine Mahlzeit mit Getränk für 5 Euro auswärts. Auf Dauer geht das nicht.

Mir schießen viele Gedanken durch den Kopf: Wie sehr würde ich mich isolieren, wenn ich immer nur zuhause essen würde und abends “auf ein Bier” nicht mehr weggehe? Wovon finanziere ich mir Unterhaltung wie Kino oder Theater? Wie kaufe ich mir ein technisches Equipment oder eine Brille, wenn sie mal kaputt geht? Wie soll ich 10 Euro Praxisgebühr und Medikamente bezahlen? Und was ist mit einem kleinen Urlaub?

Durch das Experiment unterhalte ich mich viel mit Menschen, die selber mal Hartz IV bekommen haben. Interessanterweise haben die Leute sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Alle sagen, dass es eine Zumutung sei. Wobei einige, meist Studierte, sagen, dass die Mitarbeiter in den Arbeitsagenturen und Jobcentern sehr freundlich waren und wenig schikaniert hätten. Leute, die jedoch eine Ausbildung oder gar nur einen Schulabschluss haben, wurden hingegen stark unter Druck gesetzt. Da scheint es ein System zu geben. Auch gibt es keine persönlichen Ansprechpartner bei den Ämtern, die man anrufen kann. Die (kostenpflichtige!) Hotline vermittle die Anrufe auch nicht vernünftig weiter. Man wird “gebeten” persönlich zu erscheinen und studenlang auf den Fluren der Ämter zu warten. Jemand erzählte mir sogar, dass einige Mitarbeiter in den Jobcentern einem nicht mehr die Hand geben zum Grüßen. (Zitat: “Sie sehen ja, wer hier so rumläuft, da gebe ich aus hygienischen Gründen lieber nicht die Hand.”)

Lisa:

Habe für 16,10 eingekauft. Aber was eigentlich? Das war jetzt viel zu spontan. So richtig Mittag essen vorgeplant habe ich dabei nicht. Macht auch keinen Spaß finde ich. Lieber drauf los kaufen und später improvisieren, aber dann gibt’s bestimmt Reste. Oh je. So ginge das nicht gut auf Dauer, glaube ich.

Habe heute überlegt, auch nach Projektende von einem bestimmten Tagesbudget zu leben, dachte so um die 10 Euro am Tag. Dann ist mir aufgefallen, dass das eigentlich genau das ist, was mir sonst eh zur Verfügung steht. Berechne das bloß nie tageweise.

Tag 12 – Freitag:
Raul:

Heute bei IKEA gewesen. 13 Euro für Tupperware ausgegeben. Bekomme aber noch 8 Euro von meinen Mitbewohnern für Kostenbeteiligung zurück. Habe dort noch einen Hotdog für 1 Euro gegessen (Mittagessen).

Am Abend für 8 Euro essen gewesen. So geht das nicht weiter!

Lisa:

War bei meiner Mediationsausbildung. Die könnte ich mir im Übrigen nie leisten, wenn ich dauerhaft von Hartz 4 leben würde. Habe 3,50 für n Stück Pizza, Eis und ne Cola ausgegeben. Das ist billiger als selber kochen manchmal. Aber Mittags vorher zu Hause gehabt.

Tag 13 – Samstag

Raul:

argh. War heute mit einer Freundin Frühstücken. Weil sie auf mich warten musste, habe ich sie eingeladen. 8 Euro. Anschließend habe ich ihr 20 Euro geliehen. Hoffe, die bekomme ich bald wieder.

Lisa:

Wieder ein langer Ausbildungstag. Obwohl ich Tortilla für das Mittagessen vorbereitet hatte, hat mich die Gruppe mitgerissen Mittags beim Vietnamesen zu essen. Gebe also doch Geld aus. 4 Euro für Suppe plus Portion Reis. Lecker. Abends habe ich nen Gesangsauftritt. Raul ist im Publikum. Dem schenke ich meine übrig gebliebenen Tortilla. Er hat das Sparen ja nötig.

Gebe noch mal 6 Euro für Wein aus in einem Cafe. Stoßen auf den schönen Gesangsauftritt an. Nach zwei Wein habe ich das Geld nicht mehr im Blick und hätte locker noch mehr bestellt, wenn ich nicht morgen früh wieder raus müsste, um zur Ausbildung zu fahren. Prost.

Tag 14 – Sonntag
Raul:

War heute Diplomfrühstücken. 2 Euro für Espresso gezahlt. Gegessen habe ich zuhause. Am Nachmittag lud mich eine Freundin aus Mitleid ein. Der Abend hat mit 6,50 Abendessen nur knapp mein Budget gesprengt. Montag gibt es Butterbrot.

Seit dem Projektbeginn hat Raul 107,15 Euro ausgegeben.

Lisa:

Den Tag bei der Ausbildung selbst gemachte Tortilla gegessen. Nach der Ausbildung wurde ich zum Kaffee eingeladen. Bin super früh ins Bett gegangen, weil das volle und schöne Wochenende mich müde gemacht hat. Das ist auch ne Art zu sparen. Einfach schlafen.

Seit dem Projektbeginn hat Lisa 86,30 Euro ausgegeben.

Wir haben uns inzwischen an das Tagesbudget von 8,10 € gewöhnt und es sogar bisher geschafft Luxusbeschäftigungen wie Yoga und Singen von dem Geld zu bezahlen. Allerdings erlaubt das Budget nicht über den Moment hinaus zu denken. Eine Mediations-Ausbildung, könnte Lisa nicht zahlen, die Reise nach Israel, die bei ihr nach Projektende ansteht, wäre ...

Montag,7. September 2009 | von Lisa Manthey | Beitrag kommentieren | Kommentare als RSS 2.0 Feed abonieren | Kategorien Gesundheit und Ernährung, Hartz IV-Experiment, in eigener Sache, Shopping/Konsum, Soziales | direkten Link anzeigen

11 Kommentare zu “Neues vom Hartz IV-Experiment”

  1. Véronique
    Am 7. September 2009 um 12:22 Uhr

    Hallo, hab mir gerade eure bisherigen Einträge über das Experiment durchgelesen. Klappt ja mal so oder auch so.
    Tja, habe selbst eine gewisse Zeit von HartzIV leben müssen (und das als ich grad mal 18 war…).
    Hab es ganz gut geschafft, habe fast ausschließlich daheim gegessen. Beim Einkauf hab ich drauf geachtet, dass ich keine Fertigprodukte eingepackt und wirklich nur noch das mitgenommen habe, was ich auch diese Woche (Stichwort: Wocheneinkauf) verbrauchen werde.
    Natürlich ist somit das Essen etwas schwieriger zu bereiten, aber ich kann auch die Menge und die Lebensmittel besser kontrollieren.
    Somit blieb auch einiges übrig, um mal etwas zu unternehmen. Okay, ich bin nicht mehr zum Essen oder ins Café gegangen, dafür war ich einmal im Monat im Kino, war mal draussen am See mit Freunden grillen oder habe mich nur mal so zum ratschen bei Freunden oder mir daheim getroffen.
    Schwierig wurde es erst, als es mal hieß, dass ich zum Arzt muss, oder Bewerbungen schreiben muss, das ging ins Geld, aber zu meiner Zeit wurde das Geld für die Bewerbungen noch übernommen und bei bestimmten Krankenkassen kann man den Hausarzt eintragen lassen, somit zahlt man nur noch einmal im Jahr eine Praxisgebühr, anstatt viermal.
    Man muss wirklich kreativ sein und auch Abstriche machen, aber ich hab es geschafft. Bin wirklich stolz auf mich, dass ich auch bisher nicht so verwöhnt bin, ständig ausserhalb zu essen. Gehe maximal alle zwei Wochen zum Essen und ansonsten hab ich zwei gesunde Hände und meinen Kochlöffel parat.

    Liebe Grüße von einer neuen Leserin

  2. Matze
    Am 7. September 2009 um 14:14 Uhr

    scheint nicht leicht zu sein von so wenig geld zu leben…v.a. wenn man mal nicht dran denken und sich etwas gönnen will…merkt man das doch leider spätestens am nächsten tag am leeren geldbeutel :(

  3. Marc
    Am 7. September 2009 um 15:54 Uhr

    Super Idee, das mit dem Hartz IV-Experiment. So was öffnet doch die Augen und bewahrt uns auch vor (zu) schnellen Urteilen über “die da”. Wer authentische Texte von Leuten lesen will, die nicht nur auf Zeit am Rande unserer Gesellschaft stehen, dem empfehle ich http://blog.soziale-manieren.de.
    Neu ist da zum Beispiel die 22-Jährige Claudia, die als Sozialbetreuerin alter Menschen arbeitet, einen Berg Schulden hat und durch eine Vorgabe der Arge weit wegziehen musste von zu Hause.

  4. Tweets that mention Neues vom Hartz IV-Experiment » Von Lisa Manthey » Euro, Lisa, Raul, Geld, Abend, Heute, Habe, Ausbildung » Alles, was gerecht ist. -- Topsy.com
    Am 7. September 2009 um 15:57 Uhr

    [...] This post was mentioned on Twitter by Mitten am Rand and SOZIALHELDEN. Mitten am Rand said: @SOZIALHELDEN machen interessantes Hartz-4-Experiment. Öffnet die Augen und schützt vor Vorurteilen. http://tinyurl.com/ks9fp6 [...]

  5. Rob
    Am 7. September 2009 um 22:33 Uhr

    Ich bin jetzt mal ganz ehrlich und finde Euer Hartz IV Experiment ziemlich respektlos. Ihr versucht Euch 24 Tage lang als Hartz IV Empfaenger mit vorher erneuerten Monatskarten, aufgefuellten Kuehlschraenken und 8,10 einfach so zum Leben pro Tag. Leute das ist meiner Ansicht nach mehr als blauaeugig. Wenn Ihr Euch ans sparen gewoehnen wollt, geht zu Eurer Bank und macht nen Sparplan. Ihr werdet nicht mal annaehernd irgendwelche Entbehrungen erfahren, die man als Geringverdiener oder als Arbeitsloser bzw. Langzeitarbeitsloser erfahren wird. Wo bleiben denn die Ausgaben fuer Bewerbungsunterlagen, wieso muss man jeden Tag in der Kantine essen? Wie oft in der Woche kann es sich auch ein normal Arbeitender leisten auswaerts zu essen? Wer hat den Euren Breitbandanschluss gezahlt? Es muss wirklich die Frage gestattet sein auf welchen Planeten Ihr lebt oder ob die ganze Idee nur ein Selbstdarstellungstripp ist. Ich bin so wuetend und aufgebracht. In 24 Tagen koennt Ihr wieder zu Eurem normalen Leben zurueckgehen, 24 Tage ohne grossartiges Weggehen, ohne auswaerts essen ist doch ein Klacks. Wenn ihr wirklich eine Erfahrung machen wollt, dann macht das mal etwas laenger. Aber was bringt es euch dann? Ihr koennt wieder in Euer normales Studentenleben zurueck? Was heisst hier normal, anscheinend muesst ihr Euer Studium ja nicht noch mit Nebenjobs finanzieren, wenn Ihr Zeit habt Euch solche Aktionen auszudenken. Findet Ihr das nicht etwas ueberheblich Leuten gegenueber die studieren und sich durch Jobs noch was dazu verdienen muessen und evtl. genauso wenig zur Verfuegung haben, oder Leute die zwei Jobs haben und sich so ueber Wasser zu halten. Ich war in der Situation ein Jahr lang arbeitslos zu sein, und es hat mich ziemlich fertig gemacht aber es gibt Wege daraus zu kommen und wenn das auch heisst 300 km weit weg von Null neu anzufangen. Wenn Ihr schon soviel Zeit fuer solche Projekte habt dann denkt auch doch was Vernuenftiges aus.

  6. Lisa
    Am 7. September 2009 um 23:15 Uhr

    Eigentlich fällt es mir schwer, auf so einen Tonfall überhaupt zu antworten. Aber da ich den Eindruck habe, dass hier aufgrund von falschen Tatsachen beurteilt wird, möchte ich doch einiges klar stellen. Also: ich habe momentan vier unterschiedliche Jobs, um mir die Zeit nach meinem Studium bis zum Referendariat zu überbrücken und zu finanzieren. Ich musste auch neben dem Studium immer zum Bafög Geld dazu verdienen, und zwar über 20 Stunden die Woche. Für Projekte dieser Art muss man sich nicht extra Zeit nehmen; dafür ist Platz, wenn es einen interessiert. Zumindest bei mir. Dass wir nicht den Anspruch haben durch das Projekt so zu leben wie “echte” Hartz 4 Empfänger haben wir mehrfach betont. Aber was ist das überhaupt – “echt”? Jeder kommt mit einer bestimmten Summe Geld unterschiedlich klar. Wir machen gerade unsere eigenen Erfahrungen. Wenn sich davon jemand auf den Schlips getreten fühlt, kann ich das ein Stück weit verstehen. Klar ist unser Luxus, dass wir danach zurück können in unsere eigenen Einkommensverhältnisse. Bei mir sehen die wie gesagt momentan nicht viel besser aus. Auch wenn 1,90 mehr am Tag schon einen Unterschied machen, merke ich. Ich freue mich zwar über jede Rückmeldung zu unserem Projekt, würde mir aber einen etwas respektvolleren Ton doch wünschen.

  7. Raul
    Am 8. September 2009 um 00:12 Uhr

    Ich sehe das ähnlich wie Lisa. Es geht uns nicht darum zu zeigen: “Seht her, es geht. Von 359 Euro kann man super leben”.

    Wir wollen einfach mal eine Ahnung davon bekommen, wie es ist, wenn man wenig Geld hat. Dass das nicht ganz realistisch zu simulieren geht, ist auch klar. Aber wir haben es versucht. Monatsticket (33,50 € Sozialticket), Internet + Handy (30 €) und Kühlschrankfüllungen (ca. 16 € die Woche) sind da bereits abgezogen. Bewerbungsunterlagen haben wir in der Tat vergessen zu berehnen. Was kostet denn eine Bewerbung? Gerne beziehen wir das in die Rechnung mit ein.

    Natürlich ist es realistischer, das ganze über mehrere Monate oder gar Jahre zu probieren. Und natürlich müssen wir keine elektrischen Geräte anschaffen bzw. reparieren. Auch Klamotten haben wir noch genug. Natürlich werden wir von Freunden eingeladen und “ausgehalten”. Natürlich sind wir nicht “echt” und machen das ganze auch “nur” freiwillig. Aber ist denn nicht auch manchmal der Weg das Ziel? Sind nicht oft wenige Schritte besser als keiner?

    @Rob: Wie wäre es, wenn du uns deine Erfahrungen im Blog schilderst? Es geht uns hier nicht um unsere Selbstdarstellung sondern um das Thema. Gerne veröffentlichen wir deinen Beitrag, wenn du uns einen schreibst.

  8. Rob
    Am 12. September 2009 um 10:19 Uhr

    schoen das ihr beide mit wenig geld auskommen wollt, aber wieso muesst ihr das ganze dann hartz iv experiment nennen, das ist die resepektlosigkeit, die selbstdarstellung und in gewisser weise auch die arroganz die ich euch (zugegebenermassen ohne euch zu kennen) unterstelle.

    hartz iv ist vor allem irgendwann ein psychologisches Problem, da man sich nicht mehr fragt ob man eingeladen werden will, da man sich sozial ausgegrenzt fuehlt. man kann von 8.90 am tag leben kein thema, das unterstellt auch keiner. aber viel bedrueckender ist der stress den man sich aussetzt. und ja ihr merkt vielleicht gewisse einschnitte in euer leben jetzt, aber mal ehrlich in ein paar tagen koennt ihr weider zurueckkehren.

    Ich finde es ja loeblich, dass ihr sparsamer sein ollt, aber der deckmantel ist ziemlich reisserisch und koennte auch irgendwo in der boulevard presse oder in komischen magazinen auf privatsendern rausgebracht werden.

    @raul: welcher weg und welche schritte? und entschuldige ich bin nicht an einer oeffentlichen therapie interessiert. ich hatte nur das gefuehl hier mal kritische und evtl. auch kontroverse toene anzuschlagen. denn jede medaille hat auch zwei seiten.

  9. marie
    Am 15. September 2009 um 11:40 Uhr

    hmm, sehr interessant. ich habe alle einträge und alle kommentare nun gelesen und kann aus einer sehr ähnlichen perspektive berichten wie rob. nach meinem uniabschluss mit ner guten note, meinem tv-volontariat auf sklavenlohnbasis und anschließender tätigkeit bei einem kleinen sender wurde ich krisenbedingt massengekündigt und halte mich seit april diesen jahres (mit unterbrechungen) mit 580 euro im monat über wasser, abzüglich aller abzüge (strom, gas, miete, telefon etc). in berlin geht das sicher besser, aber eigentlich geht das gar nicht. wie véronique verkaufe ich immer mal irgendwas und wie lisa und raul lasse ich mich einladen, auch wenn mein sturkopf das nicht will. ich fand lisas und rauls bestreben, eine finanziell würdelose lebenssituation nachvollziehen zu wollen, interessant und löblich. schlussendlich muss ich jedoch bei aller kontroverse und seinem kritischem tonfall rob in einer sache recht geben, die bei lisa und raul unter den tisch fällt. die psyche ist viel ausschlaggebender als alle finanzen zusammen. jeder mensch, der sich über einen längeren zeitraum von den kleineren und größeren übeln der job- und geldlosigkeit zermürben lässt, kommt irgendwann in einer vorher ungeahnten resignation an. natürlich kommt das im experiment nicht zu tragen, darum ging es ja nicht. darum aber, leider, geht es im leben vieler hartzler.

    oh. und ne richtig schicke bewerbung für ne tv-dame wie mich mit mappe, farbausdrucken und dvd mit arbeitsproben (plus hülle und kosten für den rohling) kostet mit umschlag und porto geschätzte 8 bis 10 euro. ganz abgesehen von dem speziallohn, den man mit dem befreundeten cutter fürs profischneiden ausgemacht hat, dem gar-nicht-lohn, mit dem man das bewerbungsfoto einem befreundeten fotografen abgerungen hat und dem küsschen, das man seinem grafik designer freund fürs designen von lebenslauf und anschreiben gibt.

  10. Christian
    Am 7. Oktober 2009 um 09:46 Uhr

    Lisas und Rauls Experiment halte ich für sehr interessant. Zeigt es doch, dass es Menschen gibt, die sich für andere interessieren und bereit sind, dabei Abstriche hinsichtlich des bisherigen Lebensstandards – wenn auch nur für einen gewissen Zeitraum – in Kauf zu nehmen. Wenn es hierbei auch so ist, dass ihre Situation mit derjenigen “echter” Leistungs-empfänger nicht 100 %ig vergleichbar ist – siehe Bewerbungskosten -, so bleibt doch festzuhalten, dass Lisa und Raul handeln und nicht nur reden.

    Positiver Nebeneffekt ist m.E., dass hierbei deutlich wird, dass es Leute gibt, die sich dem täglichen Konsumterror widersetzen und sich nicht suggerieren lassen, dass nur derjenige etwas zählt, der dreimal im Jahr in Urlaub fährt, der stets das aktuellste Handy oder den neuesten Flach-
    bildfernseher hat.

  11. Payback
    Am 25. Oktober 2009 um 04:17 Uhr

    Ich möchte an dieser Stelle an alle Menschen gedenken, die durch die ARGE zu Tode gekommen sind. Nicht alle sind so stark, um überhaupt zu überleben. Ich finde es sehr abscheulich von der ARGE, aber auch den eigentlichen Verantwortlichen in der Politik. Es macht mich jeden Tag wütend, wenn und daß man gegen diese ……. nichts tun kann, die meisten auch nur zuschauen, aber nichts tun.

    Ich muß gestehen, seit der phänomenalen Einführung von Hartz IV habe auch ich zum ersten Mal Gedanken “Wenn ich mich nun vor den Zug lege, dann sind die vielen Querelen und Probleme, die Bürokratie und die vielen Sozialgerichtsverfahren – und auch der tägliche Streß wegen den nächsten lieben Briefen der ARGE endlich vorbei und niemand müßte sich wegen mir noch aufregen.”

    Ich habe seitdem sehr viele liebe Freunde deswegen verloren. Die ARGE freut das natürlich ungemein, denn dann ist ein Kostenträger weniger. Und was sagen die anderen dazu ? Wo ist unser Staat hingekommen ? Wo ist der Aufschrei und der Protest ?

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