Soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und deren Nachhaltigkeit. Interessante Ideen & Projekte Ein Projekt der SOZIALHELDENAlles, was gerecht ist.
Soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und deren Nachhaltigkeit. Interessante Ideen & Projekte

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How to make the world more beautiful. Beantwortet von Ilham und seiner Frau. »

Hartz IV-Experiment Fazit: Überleben? ja. Leben? Nein!

So, nun ist der Monat unseres Hartz IV-Experimentes um. Eine interessante Erfahrung. Aber wir haben auch gelernt, dass ein Monat nicht ausreicht um das Gefühl eines “echten” Hartz IV-Lebens nachzuempfinden.

Das Projekt hatte von Anfang an nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Im Gegenteil. Im Laufe des Projektes ist uns klar geworden, dass es vermessen ist so zu tun als ob. Wir leben in der billigsten Stadt Deutschlands. Wir haben keine Kinder und sind mit vorhandenen Küchengeräten, Waschmitteln, funktionierenden Brillen und guter gesundheitlicher Verfassung sehr gut ausgestattet. Größere Anschaffungen wurden einfach für einen Monat ausgesetzt. Wir waren nicht auf dem “Amt” um dort um Unterstützung zu bitten. Wir hatten keinen Bewerbungsmarathon (Bewerbungen muss man fast komplett selber zahlen) und mussten gegenüber der Arbeitsagentur auch keine Nachweise erbringen. Da wir viel bei Freunden gegessen haben, ist es auch nicht möglich dauernd auf Kosten anderer Leute zu leben. Das machen die Freunde nicht mit.
Deswegen geben wir zu, dass das Experiment unrealistisch war. Wahrscheinlich müsste man das Projekt ein Jahr lang machen um an das echte Hartz IV-Gefühl heranzukommen.

Wie Sebastian in seinem Kommentar bereits anmerkte, müsste man strenggenommen ja auch noch eine Pauschale für längerfristige bzw. unregelmäßige Güter wie Kleidung, Versicherungen, Bahnkarten, Computer(-zubehör) hinzuziehen. Mit unseren 8,10 € am Tag waren wir auf jeden Fall schon am oberen Ende von dem was man mit Hartz IV am Tag zur Verfügung hat.
Abgesehen davon ist die eigentliche Herausforderung seinen Antrag, in einer tendenziell beschissen Lebenssituation, bei den Ämtern erstmal durchzubringen.

Nichts desto Trotz haben wir noch nie soviel über Hartz IV nachgedacht, wie in den letzten Wochen.
Was haben wir gelernt?

  • Wir sind schockiert, wie viel sich in unserem Alltag plötzlich um Geld dreht, wenn man bewusster damit umgeht. Wir hätten nicht erwartet, dass es eine so zentrale Rolle in unserem Leben spielt. Das Teure sind die Kleinigkeiten im Leben (Schokolade, Zwischendurch-Snacks).
  • Das vorrausschauende und bewusste Planen des Essens und Einkaufens verlangte uns eine große Umstellung ab. Bio waren unsere Einkäufe wirklich selten. Für den Anfang tut es gut, mal weniger Auswahl im Supermarktregal zu haben. Man muss ja auch nicht alles haben. Das Experiment ist so lange ein Luxus/Sport, bis es zur Not wird. Brot ist kein dauerhafter Nahrungsersatz.
  • Freizeitaktivitäten haben wir so sparsam wie möglich gestaltet. Es geht. Für eine Weile.
  • Initiativen, wie Bücher, Kurse, Seminare, Fortbildungen und Reisen, um aus der Hartz IV-Falle herauszukommen, scheitern fast immer am Geld.
  • Man muss sich schlau machen, wenn man wenig Geld ausgeben will. Das erfordert Wissen, Zeit, Kreativität und Mut.
  • Geld für spätere Zeiten anzusparen, ist nicht drin. Es sei denn, man verkauft wertvolle Dinge, die man vorher schon besaß.
  • Die billigsten Zeitungen am Kiosk sind die BILD, der Berliner Kurier und die B.Z. Eine Taz ist im Budget nicht drin. Da wird einem einiges klarer, oder?

Auch sehr bewegt haben uns die Kommentare die geschrieben wurden und Gespräche, die wir aufgrund des Experimentes geführt haben:
Der echte psychische und finanzielle Leidensdruck sind für echte Hartz IV-Empfänger enorm. Das konnten wir nur bedingt simulieren.

Einer Freundin erzählte, dass die Mitarbeiter beim Arbeitsamt einem nichteinmal die Hand geben wollen, wenn man deren Büro betritt. Zitat der Beamtin: “Sie sehen ja, wer hier so rumläuft. Da gebe ich aus hygienischen Gründen lieber nicht die Hand”. Jemand anderes berichtete uns, dass die Hotline beim Arbeitsamt kostenpflichtig(!) ist und man mit Absicht nie seinen persönlichen Berater ans Telefon bekommt, sondern immer persönlich erscheinen muss.
Einige Studenten sagten uns, dass die Mitarbeiter in den Arbeitsagenturen und Jobcentern sehr freundlich waren und einen wenig schikanieren. Leute, die jedoch eine Ausbildung oder gar nur einen Schulabschluss haben, berichteten hingegen dass sie stark unter Druck gesetzt werden. Gibt es da ein System? Wir haben erfahren, dass viele Ämter sehr streng mit Fristen gegenüber dem Antragssteller sind und sofort “Strafmaßnahmen” einleiten, wenn man diese nicht einhält. Die Ämter selber wiederum kommen aber ihren eigenen Pflichten nicht immer rechtzeitig nach. Wegen Personalmangel.

Erschrocken hat uns, dass wirklich viele Leute glauben, dass 8,10 € am Tag viel Geld ist und man damit locker über die Runden kommt. Argumente wie “Als Student hatte ich auch nicht mehr.” oder “Naja, notfalls geht man halt schwarz arbeiten.” haben wir oft gehört.

All diesen Leuten sagen wir: Das ist eine Milchmädchen-Rechnung. Versucht wirklich mal konsequent von diesem Tagessatz zu leben. Langfristig isoliert man sich von seinen Freunden, die gerne mal mit einem ins Kino, Theater oder auf eine Party gehen wollen. Aber auch von der Gesellschaft, die jedem von uns einen gewissen Gruppendruck aufzwingen. Von 8,10 € kann man überleben, aber nicht leben!

Hier unsere Bilanz. Wir hatten 194,44 € für 24 Tage bzw. 8,10 € am Tag zur Verfügung:
hartz4

Raul:
Ausgaben gesamt (24 Tage): 145,95 €
Ausgaben pro Tag: 6,08 €

Lisa:
Ausgaben gesamt (24 Tage): 192,45 €
Ausgaben pro Tag: 8,02 €

Fazit: Es fällt auf, dass bei uns beiden der größte Teil der Ausgaben auf “Essen und Trinken außer Haus” zurückzuführen ist. Das ist ebenfalls unrealistisch und sicher nicht dauerhaft möglich.

Daran lassen sich zwei Tatsachen ablesen:

  1. Wie schwer uns die Umstellung bei der Einkaufs- und Essensplanung fiel.
  2. Wie wichtig uns Abend-Aktivitäten mit Freunden sind, die man über einen längeren Hartz IV-Zeitraum sicher nicht aufrecht erhalten kann.

Weiteführende Links zum Thema:
Buchtipps:

  • Viel Berlin für wenig Geld – Tausend aktuelle Low-Budget-Adressen
  • Berlin für Arme: Ein Stadtführer für Lebenskünstler

Verwandter Artikel:

  • Würdevoll leben ohne Geld

So, nun ist der Monat unseres Hartz IV-Experimentes um. Eine interessante Erfahrung. Aber wir haben auch gelernt, dass ein Monat nicht ausreicht um das Gefühl eines \"echten\" Hartz IV-Lebens nachzuempfinden. Das Projekt hatte von Anfang an nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Im Gegenteil. Im Laufe des Projektes ist uns klar geworden, dass es vermessen ist ...

Samstag,19. September 2009 | von Raul Krauthausen | Beitrag kommentieren | Kommentare als RSS 2.0 Feed abonieren | Kategorien Gesundheit und Ernährung, Hartz IV-Experiment, in eigener Sache, Shopping/Konsum, Soziales | direkten Link anzeigen

22 Kommentare zu “Hartz IV-Experiment Fazit: Überleben? ja. Leben? Nein!”

  1. pseudo nym
    Am 19. September 2009 um 02:15 Uhr

    warum denn buchtipps? ein unnötiger medienbruch, der zu dem noch geld kostet!
    wer hier diesen eintrag liest und in berlin mit wenig geld überleben muss, kann hier weitersurfen:

    http://alles-und-umsonst.de/anzeige_liste/berlin/angebot

    volksküchen: http://stressfaktor.squat.net/vokue.php?day=all

    akuelle sonderangebote: angohttp://www.kaufda.de/Berlin/

  2. pseudo nym
    Am 19. September 2009 um 02:16 Uhr

    edit: akuelle sonderangebote: http://www.kaufda.de/Berlin/

  3. Ein Hartz IV Experiment « Santa Precaria
    Am 19. September 2009 um 13:06 Uhr

    [...] mit Hartz IV zusteht, nach Abzug von Basiskosten waren das € 8,10 am Tag. Nun ziehen sie ein Fazit: * Wir sind schockiert, wie viel sich in unserem Alltag plötzlich um Geld dreht, wenn man [...]

  4. L
    Am 19. September 2009 um 16:10 Uhr

    Schönes Fazit!

    Ich muss hier trotzdem nochmal meine Verwirrung darüber ausdrücken, dass ihr 8,10 eur pro Tag für eine Einzelperson und ohne die Notwendigkeit davon anderes als Essen, Hausrat und Kultur zu bezahlen, als wenig empfindet. Ich sehe nichtmal in meiner sehr viel teurern Stadt ein Problem damit bei konsequent öko-fairem Konsum hinzukommen.

    Jeden Tag Take-Away oder abgepacktes Convenience-Food geht davon natürlich nicht, aber das wäre ja auch nun wirklich nicht sonderlich nachhaltig.

    Damit das jetzt niemend falsch versteht: Ich hatte hier bei früheren Kommentaren schon meinen Unmut über Hartz4 (zu wenig Geld, Repression, Arbeitszwang) geäußert. Bei dem, was alles eigentlich noch von den 8,10 eur bezahlt werden müsste wirds natürlich unmöglich, öko-fair zu konsumieren oder ernsthaft Kultur wahrzunehmen. Da hat Mensch hat schon Mühe genug, noch halbwegs ausgewogen zu Essen. Insbesondere bei Menschen ohne solide Güterausstattung und bei längerer Bezugsdauer ist der Hartz4-Satz viel zu gering für ein Leben in Würde.

  5. Reiner
    Am 19. September 2009 um 20:18 Uhr

    Das Allerschlimmste an Hartz IV ist: das Amt.

    Ich war vor einiger Zeit kurzfristig darauf angewiesen. Es war die schlimmste Zeit meines bisherigen Lebens. Man wird erniedrigt, vertröstet, für blöd gehalten, mit Tonnen von Papier bombardiert.

    Geholfen wird Einem nicht.

    Hätte mir meine Familie nicht geholfen, ich wäre “abgesoffen”.

    Man kann dem “Amt” ja noch nicht mal drohen! Die Zustände öffentlich machen? Witzlos, die wissen doch, daß sie ´n scheiß Ruf haben. Dienstaufsichtsbeschwerde? Witzlos, verläuft im Sande. Verklagen? Witzlos, die Sozialgerichte brauchen Jahre und dann kommt eh nix bei rum.

    Ich bin verdammt froh, daß ich aus dieser Knochenmühle raus bin! Selber ´n korrekten Job gesucht. Vom “Amt” kam nix. Nada. Null.

  6. Stephan
    Am 21. September 2009 um 12:22 Uhr

    Danke für die Mitteilung eurer Erfahrungen!

  7. nico
    Am 22. September 2009 um 22:42 Uhr

    danke für das experiment, spannend. überzeugt von der schlechtigkeit von hartz iv bin ich nicht. es ist immer noch geschenktes geld und stellt sicher, dass jeder leben kann. nicht nur überleben. “leben” darf nicht an dem gemessen werden, was sich die wohlhabensten einer insgesamt wohlhabenden gesellschaft leisten können. sondern an dem, was das leben unerträglich macht. freizeit? auswärts essen? da fallen mir mehr beschäftigte in europäischen ländern ein, die sich das nicht leisten können. und genug hartz iv für ein “leben” nach standard des deutschen normalverdieners macht jeden anreiz zunichte, wieder da raus zu kommen. aber ja, auch ich will meinen lebensstandard nicht zurückschrauben müssen.

  8. Marc Boos
    Am 24. September 2009 um 09:18 Uhr

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: In einem Monat lässt sich das nicht nachvollziehen, was es im Abenteuerland Hartz 4 so alles zu erleben gibt. Aber es ist sehr gut, dass es Menschen gibt, die sich darum bemühen zu verstehen.

  9. Marc Boos
    Am 24. September 2009 um 09:20 Uhr

    In Blog”Mitten am Rand” bezieht sich Rainer S. auf das Experiment: “In einem Monat lässt sich das nicht nachvollziehen, was es im Abenteuerland Hartz 4 so alles zu erleben gibt. Aber es ist sehr gut, dass es Menschen gibt, die sich darum bemühen zu verstehen.” Er beschreibt seine eigenen Erfahrungen mit der Arge und dem Sozialamt: http://blog.soziale-manieren.de/2009/09/24/abenteuerland-hartz-4/

  10. eva
    Am 20. Oktober 2009 um 19:48 Uhr

    hallo ihr zwei experimentierer!
    arbeite gerade an einer radio-sendung und wollte wissen ob ihr lust und zeit für ein interview hättet.
    würde mich über antwort freuen!
    an: eva.schermutzki@web.de
    noch einen schönen abend…

  11. ahmet
    Am 23. Oktober 2009 um 23:09 Uhr

    durfte mich arbeitssituations-technisch nun kürzlich auch mit dem amt rumschlagen. wir haben doch ein workshop und ein projekt mit den leuten gemacht und die sind so katastrophal wie vor über einem jahr. als akademiker wird man zwar besser behandelt aber die leistung ist dennoch absolut mies. mag mir gar nicht vorstellen, wie die armen besucher der jobcenter abgewürgt werden. das ist doch kein zustand. ich wär für versteckte kameras beim amt und rauf auf youtube mit dem quark

  12. Payback
    Am 25. Oktober 2009 um 03:45 Uhr

    Da sag ich wirklich nix mehr dazu ! – entweder ganz oder garnicht ! Bei Freunden durchfuttern ist nicht – meist vereinsamt ein Hartz IV – Empfänger doch eher oder hat eher Kontakt zu seinesgleichen.

    Ich würde mich aber freuen, wenn es mal eine Stelle oder auch Leute gibt, die uns Betroffenen wirklich helfen kann im Kampf gegen die unmenschlichen ARGEn. Vielleicht auch etwas Mut machen kann.

  13. Moat B.
    Am 4. März 2010 um 11:24 Uhr

    Genau:
    Am verhungern ist man nicht allerdings das wars dann auch.
    Um einen neuen Job zu erhalten braucht man meistens ein Auto, aber man kann es sich leider nicht mehr leisten.
    Vor allem gestalltet es sich schwierig einen neuen Job zu finden, auch bei guter Qualifikation.
    Es ist einfach deprimierend.

  14. Im Monat mit 300 Euro auskommen
    Am 2. November 2010 um 11:17 Uhr

    [...] Hartz IV Experiment Veröffentlicht in Allgemein, Politik | Schlagworte: hartz IV, Politik [...]

  15. Thomas
    Am 18. November 2010 um 17:04 Uhr

    Ähm ich 39 und meine Frau 36 sind Harz 4 Empfänger.
    Wir habe 2 Kinder eins ist 2 J. das andere ist 14 J.
    Wir bekommen so ca 840 Euro im Monat. Ich muss dazu sagen das wir ein Haus haben, was auch seit Jahren abbezahlt wurde, wir haben keine Schulden und sonst auch nix negatives.

    Schön an Harz 4 ist das man Heizöl bezahlt bekommt.
    Ich habe 2010 für 1000 L nur 200 Euro bezahlen müssen das Amt bezahlte 600 Euro.
    2011 werde ich wohl einen Tank mehr dazu kaufen.

    Ich will ja nicht rumspinnen aber es ist wirklich ein angenehmes Leben.
    Nun gut, ich war damals oder bin es natürlich heute noch vom Beruf Spezialbaufacharbeiter, ohne Nebentätigkeiten wäre es wirklich sehr wenig Geld.
    Ich sage mir immer, dass Politiker und Millitärs auch eine menge Geld bekommen und das ohne richtige Arbeit.
    Wer sind denn die wahren Schmarotzer hier im Land? Die werden alle von Steuergelder bezahlt die Pfeffersäcke da oben….
    Abschlusssatz:
    Also machen wir eben mit!

    in diesem Sinne………..

  16. Volker
    Am 31. Mai 2011 um 13:56 Uhr

    ………Mit Interesse lese ich, da nun selbst von Hartz IV betroffen, viele Meinungen und Komentare zu diesem Thema. Im Vergleich zu anderen Ländern, hier mal Frankreich genannt, frage ich mich immer wieder, warum der ” Deutsche Michel” alles ” stillschweigend” hinnimmt? Warum wehren wir uns nicht massiv und über das normale hinaus gegen diesen modernen ” Strafvollzug”? Ja, für mich ist es ein Strafvollzug mit Freigang; eine Einengung meiner Persönlichkeitsrechte und meiner Freiheit. Für was?? Für einen kleinen
    Geldetrag, mit dem kein HartzIV Empfänger im Monat leben, bzw. überleben kann. Und wer beschließt solche Dinge auf Bundesebene? Die, die von uns bzw. von unseren Mitbürgern gewählt wurden. Wie oder was kann oder können wir machen um das bestehende System nach Keynes auf den Kopf ” zu stellen? Revolution? Anarchie? Es gehen einem schon manchmal sehr merkwürdige Ideen durch den Kopf, wenn man weiß, daß am 1ersten eines Monats, nach Abzug aller Fixkosten nur noch 50,– Euro für den verbleibenden Monat zur Verfügung stehen….. Wie sagt man:” die Gedanken sind frei; solange sie sich nicht mit anderen Gedanken festigen und gemeinsam etwas Neues oder revolutionäres für Jene erschaffen wollen, die selber nicht in der Lage sind, Ihrer Stimme gehör zu verschaffen……” und die Gedanken… sind noch frei!

  17. Flo
    Am 10. Juni 2011 um 08:30 Uhr

    Ich bin Student, mein Budget liegt unterhalb von Hartz4, ich habe ein gutes Leben und schaffe es auch noch Geld beiseite zu legen. Ich kann in’s Kino gehen, ab und zu abends weg.
    Wo ist da jetzt das Problem? Wenn ich jetzt auch noch Lebensmittel beim Discounter kaufen würde hätte ich ein echtes Problem mein Geld “sinnvoll” loszuwerden.
    Mal ehrlich…für große Sprünge, Reisen etc. fehlt das Geld, aber ist das zum leben wirklich notwendig? Es heißt nicht umsonst “Existenzminimum”.
    Vielen Leuten fehlt nicht das Geld, sondern die Kompetenz, damit umgehen zu können…genug Würde bleibt beim jetzigen Hartz-4 Satz in jedem Fall!

  18. Nell
    Am 12. Juni 2011 um 18:38 Uhr

    Wo das Problem ist? Ohne Ihnen nahetreten zu wollen, möchte ich es mal so formulieren: “Sie vergleichen Äpfel mit Birnen” , vermatschen das Ganze zu einem unausgesprochenen “Was haben die für eine Anspruchshaltung, haltet Euch doch an mein leuchtendes Beispiel und übt die hohe Kunst des sparsamen Haushaltens” und vergessen so nette Zahlenspielereien wie “Bedarfsgemeinschaften”, in denen die Betroffenen dann gleich mal was von den “Einzelexistenzminimum” abzieht, weil man ja als “Teamplayer” niedrigere Lebenshaltungskosten hat, als sie eine Einzelperson hätte.

    Ich frage mich nur, ob bei dieser “bestechende” Logik sich auch der Inhalt des Kühlschranks auf wundersame Weise für zwei vermehrt, denn Hunger verspürt jeder für sich allein.

    Besonders wenn der Partner einen Volltimejob hat, was dazu führt, dass der Andere aus dem Bezug des Existenzminimums fällt und gezwungen ist, sich “freiwillig” krankenzuversichern, weil es in Deutschland Pflicht ist. Der Partner der sowieso schon alles wuppen muß, Miete, Lebenshaltungskosten, Strom etc. etc., muß auch dieses noch wuppen (man ist ja nicht mehr bedürftig) und unter dem Strich lebt man zur Zweit nicht nur am Existenzminimum, sondern vegetiert sogar deutlich darunter. Ach ich vergaß : Den Liebenden schlägt keine Stunde und man ernährt sich ja in einer solchen innigen Verbindung von Luft und Liebe. Na da reicht es vielleicht ja wirklich, noch was zu sparen. Nämlich meinen Wunsch, dass Sie sich von Ihren pauschalen unausgesprochenen Vorurteilen verabschieden (ginge prima, wenn sie mal zu einem Treffen in einen Arbeitslosentreff gehen) und nach Ihrem Studium das Glück haben, nicht mit dem Jobcenter Bekanntschaft zu machen. Denn hier gilt in vielen Fällen: “Die Würde des Menschen ist angreifbar” . (Nicht immer, aber immer wieder und mit künstlerischen Raffinesen) Genießen Sie deshalb ihr Studentenleben und behalten Sie trotzdem solche einfachen Tatsachen im Auge, dass der Spruch, wer arbeiten will, bekommt auch Arbeit einfach schlimmste Stammtischmentalität ist, gespickt mit der eigenen Angst vor dem sozialen Abstieg und der dahinterstehenden Verachtung für diejenigen, die keine “Leistungsträger” sind.

    Über die Beschaffenheit des Arbeitsmarkts, seinen Bedingungen etc. wird nicht gesprochen. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie nach Ihrem Studium sich nicht als Generation Praktikum wiederfinden, denn sie können mir glauben, dieser “Seinszustand” kann lange dauern, nimmt aber mit ihrem natürlichen Alterungsprozeß ein Ende. ;-) Wenn bis dahin eine Perspektive sich herausgebildet hat, bin ich die Erste, die sich mitfreut.

    Ach noch ein Letztes: Wenn jetzt das Argument des Aufstockens kommt (wegen der Krankenkasse) denken Sie bitte daran, dass der Antrag erst abgelehnt wird (machen Sie sich die Freude und laden sie so ein Teil mal runter und bearbeiten Sie ihn für sich), dann Widerspruch eingelegt werden muß, dann neu eingereicht, dann wieder bearbeitet werden muss (kann manchmal bis zu 3-4) Monate dauern, sie können auch rechtlich dagegen vorgehen, wenn der Bearbeiter “überlastet” ist und in dieser Zeit müssen sie die Krankenkasse bereits bezahlt haben, sonst fallen weitere Kosten an, die nicht gerade wenig sind. Bisdahin wiehrt der Amtsschimmel und man vollendet seine Ausbildung “Hungerkünstler”. Bis dahin hat man einen enormen Bedarf an Luft und Liebe, weil der Kühlschrank seltsam verwaist ist.
    So und jetzt viel Spaß mit einer vielleicht erweiteren Sicht der Dinge.

    By the way: Schauen Sie mal, was Sie als Student für finanzielle Vergünstigungen haben, ich sag nur: Wohnheimplatz, verbilligtes Essen in der Mensa etc. etc. Mit der oben geschilderten Lebenssituation leben sie in einem Paradoxon, dass nur durch die Macht der Liebe aufgelöst werden könnte (akakadabra Magenknurren durch Luft und Liebe verschwunden) oder durch schnöde Überlegung, dass man heiratet, damit man den Krankenkassenbeitrag los wird und einwenig mehr in der Tasche hat, sodaß man an das Existenzminimum heranreicht. Wenn das nicht eine Herzensentscheidung ist. (Sarkasmus) Ob das so eine Art “Zwangsheirat” ist? Ach nein, ich dachte, die sind in Deutschland verboten. (Ironie)

    Bonuskarten für Harzler sieht man in einer solchen Konstellation nämlich nicht. Ohne genehmigten Antrag keine Card. Ob ich wieder studiere? ;-) Ach nein, Bildung schützt vor Armut nicht (mehr) oder nur solange, bis man sein Studium nicht beendet hat. Alles Gute für Sie.

  19. kollmer m.
    Am 30. August 2011 um 15:36 Uhr

    freunde habe ich schon lange nicht mehr,weil ich nirgends mehr hingehen kann,seit ich hartz4 habe friseur kann man sich sowieso nicht leisten,und wer will da schon noch unter menschen gehen klamotten nur vom kik,da schömt man sich doch.kauf ich mir ein getrönk im lokal,da muß ich einen tag davon leben.unser staat hat für alle was nur nicht für die eigenen leute,die 40jahre gearbeitet haben

  20. Spann
    Am 11. November 2011 um 07:12 Uhr

    Genau so ist das leider, haste was biste was – haste nüscht biste nüscht.

    Leider sind die Menschen aber noch zu Dumm und unternehmen nichts dagegen gemeinsam !

    Jeder plagt berechtigt sein Leid aber keiner tut etwas dagegen.

    Wo soll das hinführen ???

    Ich denke eines tages wird der Staat dafür bezahlen müssen, denn momentan werden in Deutschland nur neue generationen gezüchtet ( so will ich es mal hier ausdrücken)

    denn bei dieser Welt ( auch wenn es nicht gut ist ) kann man niemanden übel nehmen wenn Ämter angezündet werden oder Sachbearbeiter über den Tiisch gezogen werden.

    Allein das Thema Amokläufer hat sich in den letzten Jahren so stark verbreitet und warum ? Weil die Menschen alle verzweifelt sind, Hunger leiden müssen und sich für sich selbst schämen.

    Jeder ist sich leider sich selbst der nächste – so kann das nicht funktionieren !

    Und wenn einzelne Personen den Mund aufmachen werden Sie verurteilt und weggesperrt zum Schutz der Öffentlichkeit.

    Deutschland wird einen Polizeistaat brauchen wenn das so weiter geht, denn es wird eine Genaration geben, die sich den Mist nicht gefallen lässt.

    Aber immer schön ins Ausland spenden wegen einen vollpfosten der vor zig jahren mal regiert hat.

    Und wer gibt dem deutschen Volk was ausser schulden ???

    Und wer in diesem Land noch Geld hat sind meist die größten Verbrecher die sich an der Armut der Menschen bereichern und diese somit in Wahnsinn treiben.

    Egal wo du hinkommst musst du für jeden den Hampelmann spielen.

  21. Spann
    Am 11. November 2011 um 07:22 Uhr

    Ach und scheinbar sind hier die meisten in einem Beruf und haben keine Ahnung von Hartz4 !!!

    Du bekommst nichts – du darfst nicht satt werden – sondern nur am Leben erhalten !

    Und nur weil es Länder gibt wo Menschen Hungern, weil es dort kein Hartz4 gibt – ist das noch lange keine rechtfertigung sich damit zufrieden stellen zu müssen.

    Das ist alles unmenschlich !!!

    Menschenrechte wurden abgeschafft und selbst die Verfassungen werden gebrochen durch neue Regelungen der Politik !!!

    Ämter bescheissen im großen Niveau die Empfänger und belügen sie absichtlich.

    Aber der Mesnch wird dafür bezahlen müssen eines Tages und für seine Sünden gerade stehen !

  22. Paula
    Am 15. Januar 2012 um 23:40 Uhr

    Hallo, mit H4 auszukommen ist bestimmt eine Herausforderung und dies jeden Tag aufs Neue. Jedoch muss ich sagen, dass ich trotz Arbeit monatlich auch nicht mehr zur Verfügung habe zum Lebensunterhalt. Wichtig ist sich mit dem Geld, welches zur Verfügung steht, auch auskommen zu wollen und dazu gehört auch ein wenig Kreativität. Sei es beim Einkaufen und dem Zubereiten von Mahlzeiten, Kleidung und Möbel kaufen etc.
    Ich backe mein Brot mit einem Backautomaten, den ich für 25€ günstig erstanden habe. Auch koche ich jeden Tag und kaufe nur Lebensmittel die gerade beim Discounter im Angebot sind. Meine Kleidung und auch andere Dinge, wie technische Geräte erstehe ich bei Ebay und setze mir dafür natürlich ein angemessenes Limit. So habe ich dort z. B. eine gut funktionierende Waschmaschine für 50€ ersteigert und diverse andere Dinge, wie einen Tv und eine Musikanlage für weit unterm normalen Preis. Möbel kann man auch sehr günstig bei Haushaltsauflösungen bekommen. Für Lebensmittel benötige ich 150€ monatlich und alles was übrig bleibt sind weitere 150€, die ich auch gezielt einsetze. 50€ spare ich monatlich für alle möglichen unvorhergesehene Kosten sofern ich es nicht anderweitig benötige, wie Arztbesuch usw.
    30€ gehen drauf für Internet und Telefonflat und 20€ für Kleidung, 17,50€ für GEZ, und die restlichen 32,50€ gehen für Versicherungen drauf, als auch für einen Kontoausgleich, falls der eine oder andere Euro vorher auf dem Konto überzogen wurde, für Geburtstage etc. Wichtig ist, dass man auf keinen Fall mehr Geld ausgibt als man hat und sich immer ein realistisches Limit setzt, aber auch immer wieder darüber nachdenkt, ob man dies oder jenes wirklich benötigt. Dazu gehört jedoch auch eine gehörige Portion starken Willen und Durchhaltevermögen.
    Ich praktiziere dies nicht erst seit einem Monat und weiß wovon ich schreibe. Wobei ich hinzufügen muss, dass ein H4ler auch die Möglichkeit hat zur Tafel zu gehen, um dort gute Lebensmittel für relativ wenig Geld zu bekommen, was mir aber verwährt bleibt. Zudem hat ein H4ler ca 70€ mehr als ich und kann sich außerdem von den GEZ-Gebüren befreien lassen, was das Budget sogar etwas erhöht im Vergleich zu meiner Situation. Aber ich möchte nichts beschönigen und denke, dass es wirklich nicht leicht ist mit sehr wenig Geld auskommen zu müssen und viele Dinge wie Essengehen usw. ganz weit nach hinten geschoben werden, oder gänzlich gekänzelt. Jedoch um die sozialen Kontakte aufrecht zu erhalten, lade ich meine Freunde zu mir nach Hause ein mit der Bitte einen Salat, oder ein Getränk mitzubringen…Es funktioniert also! Ist zwar nicht der Hit, aber es soll ja auch nur eine vorübergehende Situation sein!

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