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Kuscheln mit Angela – die Jahreskonferenz des Nachhaltigkeitsrats 2009

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Heute berichte ich von meiner nunmehr vierten Teilnahme an der Jahreskonferenz des Nachhaltigkeitsrats der Bundesregierung. Mittlerweile ist es über die Jahre ein großes Klassentreffen mit über 1.000 TeilnehmerInnen geworden. Zum Beginn der sogenannten “parallelen Themenforen” bin ich da und steige hier direkt ein, ins “Forum 1″. Das Thema: “Nachhaltigkeit und Bildung: Impulse für gleiche Chancen, Kompetenzen und Qualität“.

Eine Gesellschaft, die sich erfolgreich den großen Themen der Zeit stellt, braucht ein Mehr an Bildung. Wie können Chancen von Kindern unterschiedlicher sozialer Herkunft bei Eintritt in das Schulsystem und im weiteren Bildungsverlauf erfolgreich gefördert werden? Wie sieht die Bildung der Zukunft aus?

Es diskutieren Prof. Dr. Ute Klammer, Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung und Prorektorin für Diversity Management, Universität Duisburg-Essen, sowie Elke Lüdemann vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung
.

In den Impulsvorträgen fallen Schlagworte wie: Zugang zu Erziehung, Bildung, Qualifikation; Inter- und Transdisziplinarität, Lebenslanges Lernen. Klammer verweist auf: Chancengleichheit, Qaulitätsmanagement und Kompetenzentwicklung  als Bausteine für eine nachhaltige Bildungspolitik, 
Lerngelegenheiten: vernetztes Denken, Selbstständigkeit, kritische Bewertung, Urteilsfähigeit.

Meine Fragen dazu sind sofort:  Ist “BNE” (Bildung für eine nachhaltige Entwicklung) wirklich gewollt?
 Was heißt das konkret für einzelne Studiengänge und deren Handlungsfelder?
 Welches Wissen soll vermittelt werden und wie? Wie verhält sich BNE zur derzeitigen Bildungssituation, der Bachelor-Master-Implementierung, der Exzelenzcluster-Inititative, der Einführung von Studiengebühren, den hohen Anforderungen an Studierende? Wie verhält es sich zu der Tatsache, dass viele Studierende weniger Zeit für Engagement während des Studiums haben? Wie steht es um die Wettbewerbsorientierung der Hochschulen? 
Was ist mit der pädagogischen Kompetenz der ProfessorInnen
?

Bildung beginnt bei der sogenannten “frühkindliche Erziehung”, dann folgen Grundschule, Weiterführende Schulen, Berufliche Ausbildung, Studium, Weiterbildung, lebenslanges Lernen. Es ist also sehr schwierig, so allgemein von Bildung zu sprechen, da es doch so verschiedene Lebensabschnitte umfasst, in denen wir (aus)gebildet werden. Insgesamt ist es ein sehr allgemeiner Vortrag. Wie können denn die Forderungen nach einer BNE auf Teilbereiche runtergebrochen werden?

Den nachfolgenden Impusvortrag startet Elke Lüdemann
 mit ihrer These: “Kompetenzen sind wichtiger als formale Bildungsabschlüsse
”. Schlagwörter sind hier: Wissentransfer in neue Kontexte, neue “Problemlösungskompetenzen”.
Ihre These Nr. 2: Allein Bildungsausgaben erhöhen reicht nicht aus
, denn es gebe keinen causalen Zusamenhang, dass höhere Ausgaben zu einer besseren Ausbildung führen. Investionen in die Bildung müssten sehr effizient sein und sehr früh ansetzen. Sie empfiehlt, verstärkt in die frühkindliche Bildung zu investieren. Sie verweist auf die Problematik unseres 3-gliedrigen Schulsystems. Ihre 
Forderung: strukturelle Veränderungen
 und Maßnahmen wie externe Leistungsüberprüfungen, zentrale Abschlussprüfungen
, Wahlfreiheit, Public-Private-Partnership.

Aus dem Publikum kommt schließlich der passende Hinweis, dass wir eine gleichzeitige Veränderung von Strukturen und Inhalten benötigen, kein Nacheinander. Und: Ja, Nachhaltigkeit muss sich wie ein “grüner” Faden durch alle Studiengänge ziehen, danbeben kann es natürlich Studienangebote mit einem ausschließlichen “Sustainability-Fokus” geben, wie dies z.B. in Lüneburg geschieht.

Nach der “Fishbowl“-Diskussion geht’s in die Mittagspause. Es folgte die Präsentation von ausgewählten Projekten aus dem Wettbewerb “Mission Sustainability“, dem Kommunikationsprojekt des Nachhaltigkeitsrates, der seit nunmehr drei Jahren läuft. Eine neue Publikation hierzu ist gerade erschienen und kann direkt beim Rat bestellt werden. Ich durfte sie wieder gestalten, was mich natürlich sehr gefreut hat. Hoffe, sie gefällt euch und ist eine ergänzende interessante Lektüre für euch.

Die Auswahl der präsentierten Projekte auf der Bühne war – sagen wir mal – ok. Der Germanwatch-Spot, “Die Rechnung“, den wir hier bereits vorgestellt haben, war ein erfreulicher Lichtblick. Der Regisseur Peter Wedel hat nun eine eigene Filmproduktionsfirma gegründet. Das klingt vielversprechend. Den Spot finde ich super!

Als selbständige Filmschaffende setzen wir unsere Kompetenzen konzentriert für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung ein. Wir erschaffen Filme, an die wir glauben, über Themen, die uns am Herzen liegen.

Die ansonsten sehr oberflächliche Debatte fand ich nicht sehr bereichernd. Ein allgemeines Gerede ist neun Jahre nach Gründung des Rates sicherlich nicht mehr hinreichend.

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Dann kommt die Kanzlerin: Kuscheln mit Angie
. Interessant ist auf dieser jährlichen Konferenz, auf der sich viele Entscheider aus Wirtschaft und gemeinnützigem Sektor tummeln, dass hier klar wird, wo wirklich Entscheidungen getroffen werden können oder dies gerade eben nicht passiert. Eine staatliche Förderung von 500 Millionen für Elektromobilität klingt viel. Aber wenn man die zuvor 5 Milliarden Euro, die die Bundesregierung für die Abwrackprämie bereitgestellt hat, dem gegenüberstellt, dann ist natürlich nicht mehr so eine große Summe. Sie spricht von Nachhaltigkeit als “Querschnitts- und Koordinierungsaufgabe” und dem “dicken Brett, das zu bohren ist”. Das habe ich letztes Jahr auch schon gehört. Dann ein Abschnitt zu Kopenhagen: “Ich bin jedenfalls motiviert, zum Erfolg beizutragen”, sagt Frau Merkel. Na, was Herr Niebel vom BMZ wohl dazu sagen wird? Sie verspricht die “Integration von Nachhaltigkeitskriterien in das Bruttoinlandsprodukt”. Dann geht sie, und die vielen Kameras auch.

“Man kann ein Problem nicht mit dem Denken lösen, das zum Problem geführt hat”, so zitiert Volker Hauff abschließend Albert Einstein. Hauff sagt noch ein paar Sätze, aber ich bin gedanklich bereits in der Kaffeepause angekommen.

Diese Konferenz tut nicht weh. Sie hängt für mich in der Luft. Wo steht dieser Rat? Wo will er hin? Wo sollte er hin? Mir ist das nicht klar. Welche Impulse nehme ich wirklich mit? Sicherlich den Bildungsaspekt. Früh investieren, “bildungsferne Schichten” integrieren. Ja, das weiß ich doch. Vielleicht ist es ein Impuls, hier zukünftig mehr zu machen. Ja, strukturelle Rahmenbedingungen sind gut und wichtig. Jaja, Aber es ist auch langwierig. Also fangen wir schonmal an. Und wenn es zunächst klein ist. Und wenn wir ein kleiner Haufen Sozialhelden oder rapair berliner sind. Hands on!

Montag,23. November 2009 | von Andrea Nienhaus | Beitrag kommentieren | Kommentare als RSS 2.0 Feed abonieren | Kategorien Politik, Soziales, Umwelt, Wettbewerbe | direkten Link anzeigen

2 Kommentare zu “Kuscheln mit Angela – die Jahreskonferenz des Nachhaltigkeitsrats 2009”

  1. Ingo
    Am 24. November 2009 um 10:17 Uhr

    Hi Andrea – danke für den ausführlichen Bericht: Wurde denn Ressourcen-Knappheit konkret diskutiert? Was ist z.B. mit dem Peak-Oil wurde das thematisiert? Also anders herum argumentiert: Nicht Nachhaltigkeit weil das wünschenswert ist, sondern Nachhaltigkeit, da wir in den nächsten Jahren dazu gezwungen werden – z.B. wegen zu erwartenden Erdölpreissteigerungen?

  2. Andrea
    Am 24. November 2009 um 10:59 Uhr

    Ja, wichtige Punkte, aber, wie gesagt, eine Frau Merkel sagt immer noch: “Ich bin jedenfalls motiviert, zum Erfolg beizutragen” und nicht: “Liebe Leute, wir haben keine Wahl!”. Und beim Germanwatch-Spot lacht das Publikum. Ich war nicht den gesamten Tag dabei. Am Vormittag wurden wohl auch sehr kritische Punkte in dem “Peer”-Report angesprochen. Mehr dazu gibt’s wohl auf der RNE-www.

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